Gleisdorf: Status quo II

[Vorlauf] Gleisdorf ist derzeit eine kulturpolitische Baustelle. Das halte ich für keine schlechte Nachricht. Wenn sich Bedingungen generell massiv verändern, gibt es Brösel, muß manches neu gedacht und neu gestaltet werden.

Kulturbaustelle Gleisdorf: Anregung zu neuen Ideen.

Die Welt befindet sich in einer Zeitenwende. Man sollte also keine gute Krise vergeuden. Krise bedeutet Umbruch. Ob es dann Richtung Katastrophe oder Katharsis geht, hängt von den Reaktionen der Betroffenen ab. Gleisdorf hatte seinen kulturpolitischer November-Crash.

Das bedeutet, Mitte November 2025 war klar, daß nun erhoffte Landesmittel ausbleiben werden, daß Budgets krachen müssen, Arbeitskräfte im Rathaus von etlichen kulturellen Agenda abgezogen werden, daß die kulturelle Infrastruktur Gleisdorfs umgehend einen massiven Umbruch erfährt.

Da wurden Faktenlagen geschaffen. Danach wurde die Community informiert, was denn nun der Fall sei. Sie waren überrascht? Ich nicht. Spätestens Mitte 2020 und während des gesamten Corona-Lockdowns mußte wir wissen, daß sowas kommen wird. Weshalb? Weil es im Kielwasser der Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 ebenso gekommen ist. Das schlug 2010 mächtige Kerben ins Kulturgeschehen.

Haben sich Gleisdorfs Kulturreferat und die Marketingabteilung der Stadt darauf vorbereitet, womöglich in Kooperation mit Kunstschaffende der Region? Immerhin betrieben sie miteinander den passabel kofinanzierten „Kulturpakt Gleisdorf“. Nein, haben sie nicht. Eine skurrile Art der Pflichtvergessenheit.

Ich staune heute noch, wer alles nicht mit den Corona-Konsequenzen gerechnet hat. Das zeigt mir: Da war eine leichtsinnige Erwartung an die Leistungsfähigkeit des Staates und den Handlungswillen seiner Funktionstragenden. Und das bei einem gesamten Landeskulturbudget von bloß einem Prozent des Haushalts? In so einer Situation hätte mich einst mein Lehrherr gefragt: „Bist du blöd, oder willst du nicht?“

Es gab in Gleisdorf ein paar Protestmomentchen, denen dann – soweit ich sehe – irgendwie kein nützlicher Arbeitsschritt folgen wollte. Welche Art Arbeitsschritt? Na, zum Beispiel eine Konferenz, in der einige Fragen von Belang hätten bearbeitet werden können. Fragen wie zum Beispiel:

+) Wurde schon verstanden, daß wir gerade in einer Zeitenwende stecken?
+) Wovon handeln die markantesten Kräftespiele dieser Zeitenwende?
+) Was bedeutet das kulturpolitisch für den Bezirk, für die Kleinregion und die Stadt?
+) Haben sich Politik und Verwaltung in irgendeiner Weise darauf vorbereitet?
+) Haben sich Kunst- und Kulturschaffende in irgendeiner Weise darauf vorbereitet?
+) Gibt es seitens Staat, Markt oder Zivilgesellschaft ein kulturpolitisches Strategiepapier auf der Höhe der Zeit?
+) Ist ein kulturelles Leitbild der Stadt Gleisdorf in Arbeit?
+) Was erwarten wir aktuell von einem Kulturreferenten?
+) Wofür ist eine Gemeinde zuständig und wofür nicht?
+) Wofür ist die Zivilgesellschaft zuständig und wofür nicht?
+) Wie und wodurch lassen sich Ausfälle einer Medienbranche ausgleichen, wo der wirtschaftlich Druck die kulturbezogene Berichterstattung zusammenklappen ließ?
+) Welches Networking mag helfen, aktuelle Verluste zu kompensieren?
+) Welches Kommunikationsstrategie mag helfen, aktuelle Verluste zu kompensieren?

[Gleisdorf: Kulturpolitik]