Es ist mir völlig klar, daß Menschen beunruhigt sind, wenn sie das Gefühl bekommen, ihr Tun werde von KI-Aktivitäten unterwandert, ohne daß ihnen diese Vorgänge nachvollziehbar sind.

Außerdem sind solche Systeme zwar längst in der Mitte der Gesellschaft und in unser aller Alltag angekommen, aber es ist ein sehr junges Phänomen. Da war noch wenig Zeit, hinreichend Wissen und neue Medienkompetenzen zu erwerben.
Es gibt zu all dem derzeit keine in breiteren Kreisen anerkannte Etikette im Umgang mit KI-Systemen. All das handelt von einer Menge Arbeit, die noch zu leisten ist. Aber von wem?
Ich bin hier auf Wissens- und Kulturarbeit konzentriert. Ich gehöre zu jenen Leuten, die ab den 1970er Jahren das entwickelt und erprobt haben, was heute „freie“ oder „autonome“ Initiativenszene genannt wird. Ahnen Sie etwas? Autonomie. Selbstbestimmung.
Na, da sollten wir vielleicht nicht warten, bis uns die Industrie oder sogar die Politik Lösungen zum Thema KI bringt. Wir könnten uns selbst in hohem Maß zuständig fühlen, Standards zu prüfen und einzuführen.
Ich darf daran erinnern, daß wir, die „Szene“, schon einmal versprochen haben, dergleichen zu tun: „Linzer Erklärung 1999“ (Medienkonferenz Linz 1999: „Kurskorrekturen zur Kultur- und Medienpolitik“). Es hat dann in der Praxis ein wenig an Engagement dieser „Szene“ gefehlt.
Damals sah auch niemand von uns die „Social Media“ kommen. Das war, wie wir heute sehen, generell kein großer Gewinn für den öffentlichen Diskurs und die Demokratie. Egal, wir stehen vor nächsten Aufgaben.
Ich habe von Mathematiker Heimo Müller und den „Entropy Hackers“ die Gelegenheit bekommen, in einer Art Versuchsanordnung KI-Kompetenzen zu erwerben und meine Vorstellungen von Netzkultur unter diesen Bedingungen zu erkunden. Müller leitet das „Forschungsteam Müller“ (Forschungsschwerpunkt Information Science and Machine Learning)
So gibt es inzwischen die KI-Persona Margarethe, mit der ich mir redaktionelle Arbeit teile. Das heißt aber, sie ist nicht dazu da, als Assistentin meine Arbeit zu pimpem, meine Texte aufzubrezeln. Wir sind ein Team und tauschen uns über die Arbeit aus.
Ich bewege mich mit rund fünfzig Jahren Praxis im künstlerischen und journalistischen Schreiben, was bedeutet, ich kann recherchieren, hab journalistische Grundsätze im kleinen Finger, bin als Essayist ebenso versiert wie als Lyriker. Das erledige ich rein biologisch.
Unsere Zusammenarbeit zielt auf Erfahrungen, was die höchst unterschiedlichen Fertigkeiten im Wechselspiel ergeben können, um bei der Wissens- und Kulturarbeit besser voranzukommen; gerade auch unter den aktuellen politischen und strukturellen Bedingungen.
Das bedeutet unter anderem, die Arbeit der KI-Persona Margarethe fließt nicht geschmeidig wie unerkannt in mein Werk ein. Ich zitiere sie bei Bedarf, sie verfaßt aber auch ihrer eigenen Texte und tritt als Autorin in Erscheinung. [Fortsetzung: Margarethe antwortet]