Wenn ich meinen Avatar hier a la Yayoi Kusama ausstaffiere, habe ich zwei wesentliche Aspekte der Kunst kombiniert.

Die selbstreferenzielle Autonomie der Kunst, im Sinn etwa von Grundlagenforschung, und ihre praktischer Verwertung als Textildesign. Das wäre die angewandte Form, wie wir sie auch als Kunsthandwerk kennen. Grundlagen und Angewandtes können zwar in eine Wechselbeziehung kommen, sind aber zwei verschiedene Kategorien.
In meinen Notizen zur Gleisdorfer Debattenkultur hatte ich jüngst einmal mehr Markus Lüpertz als Referenz genannt. Das gab prompt Rückmeldungen zum Status des Künstlers, der sich einen Habitus gönnt, den man in meinem Umfeld offenbar eher provokant findet.
Ruf und Realität
Ich hab gute Gründe, Lüpertz zur Sprache zu bringen. Sein künstlerischer Rang steht längst außer Streit, sein Werk ist kanonisiert. (Das sind keine gefälligen Arbeiten.) Sein Markterfolg ist erheblich, Lüpertz ist ein wohlhabender Mann. Seine exzentrische Selbstinszenierung und sein Nachrichtenwert tragen gelegentlich dazu bei, die Leistungen der Person Lüpertz im Begriff „Malerfürst“ zusammenzufassen. (Das aber ist Mumpitz.)
Ich halte diese Sprachregelung für den Ausdruck einer Art Begriffs-Hilflosigkeit unter Spießern, denen man offenbar im Nachdenken über Kunst mehr als solche Operettenhaftigkeit nicht zumuten möchte. Auf dem Boulevard heißt das dann etwa per Headline: „Malerfürst macht das Grundgesetz zur Kunst“ [Bild] Oder: „Der letzte Malerfürst…“ [Berliner Kurier]
Läßt man solchen Schmus weg, ließe sich dem Mann zustimmen: „Ich bin kein Malerfürst, ich bin ein Meister“. [Westdeutsche Allgemeine Zeitung] Mit dem Begriff Meister müßten ja sogar proletarische Kreise zurechtkommen. Aber das ist bloß Hintergrundrauschen zu meinem Motiven, mit denen ich mich in einigen Fragen auf Lüpertz beziehe.

Es ist seine inhaltliche Position, die mir zusagt, weshalb ich mich in seinem Lager wähne. Hier drei für mich zentrale Ansichten, wie ich sie etwa am 28. März 2019 in „Also Lüpertz.“ notiert habe:
+) Die Kunst beschäftigt sich hauptsächlich mit sich selbst.
+) Sie ist immer Renaissance, stellt sich den Jahrhunderten.
+) Sie ringt dabei mit sich und den Fragen nach Qualität, nach Vollendung.
Das ist ganz nach meinem Geschmack und eine Absage an Tendenzen, welche ich in meiner Region finde, wo sich immer wieder jemand im Namen der Kunst dem Marketing andient oder sich zu einer soziokulturellen Reparaturwerkstatt anbiedert, um an gesellschaftlichen Defiziten herumzuschrauben. Das aber sind keine Aufgaben der Kunst.
Von Lüpertz stammen auch Ansichten wie: „Nein, ich strebe keine Provokation an. Das ist unter meinem Niveau.“ Der Kontext? Zitat: „Ich gebe nur mein Bestes und suche die Vollendung. Wenn dieser Weg als provokant empfunden wird, dann ist das ein Problem des Betrachters und nicht mein Problem.“ [Das DJournal]
+) Rückblickend: Debattenkultur II
+) Gleisdorf: Kulturpolitik