Orange: Frauen, Kunst und Betrieb

Ich bin immer noch unsicher, ob es angemessen ist, ausdrücklich zu betonen, daß im „Archipel“ und seinen Projekten ein nennenswerter Frauenanteil selbstverständlich ist.

Malerin Monika Lafer: Care-Arbeit und Kunstpraxis.

Es erscheint mir eigentlich auch bloß von Belang, wenn ich mir Studien und Statistiken der letzten Jahre anschaue. Die belegen ein erhebliches Mann-Frau Gefälle in unserem Kulturbetrieb. Ich greife bloß ein Beispiel heraus: „Die Verteilung der Geschlechter in professionellen und geförderten Kunst- und Kulturinstitutionen war 2017-2021 im Allgemeinen nicht egalitär.“ (Quelle: Gender Report im Bereich Kunst und Kultur 2017-2021, Endbericht September 2024)

Solche Art Gefälle finde ich in vielen Quellen zu den verschiedenen Bereichen des Kulturbetriebs belegt. In unserem „Archipel“ ist die Mitwirkung von Frauen und die Wirkung weiblicher Intelligenz etwas Gegebenes, das keinen speziellen Diskussionsbedarf aufwirft. So auch keine besondere Erwähnung. Es zeigt sich in den Ereignissen und Ergebnissen.

Ausgenommen freilich es geht um Care-Arbeit; sei es für ein Kind oder für einen kranken Verwandten, der Unterstützung braucht. Das muß erörtert, weil in der Zeiteinteilung für Projektverläufe berücksichtigt werden. Das hab ich bei uns bisher allerdings nur bezüglich der Mitwirkung von Frauen erlebt.

Ich hab es damit leicht, weil ich beides aus eigener Erfahrung kenne und daher weiß: Das ist a) nicht verhandelbar und b) im Grunde problemlos organisierbar. Was meint, ich hab es selbst so erlebt: Das kleine Kind oder der kranke Mensch haben als meine Schutzbefohlenen eine bestimmende Priorität, um die herum ich meine anderen Vorhaben arrangiere.

In solchen Phasen wird man sich ohnehin nur an Projekten beteiligen, die flexible Verfahrensweisen zulassen. So ist es für mich heute umgekehrt kein Problem, als der sorglosere Teil in so einem Ensemble einige Spielräume freizuhalten.

Das heißt ganz pragmatisch, ich sorge für eine gewisse Reserve an Ressourcen, um sie drangeben zu können, wenn es der Ernst des Lebens anderer Menschen notwendig macht. Keine große Sache.

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