Ich habe nun über verschiedene Kanäle ausführlich erfahren, was alles gegen die Umwidmung des „Museum im Rathaus“ (MiR) vorgebracht wird. Die Summe der Statements besagt: „Es soll sich nichts ändern.“

Nun hat sich aber nicht nur die Welt geändert, sondern auch Gleisdorf, was unter anderem Verschiebungen in der Kulturpolitik erzwingt. Hinter diesen Punkt führt kein Weg zurück. Ich hab in der Glosse „Gleisdorf: Die Lawine“ skizziert, was ich nun für gegeben halte: Die Krise ist ein unabänderliches Faktum.
Was hinter dem nächsten Horizont liegt, kann im Augenblick noch nicht gedacht werden. Zwischen dieser neuen Situation und der jetzigen Krise liegt eine Phase der Transition. Die können wir nutzen, um neue Ideen und Handlungskonzepte zu entwickeln. Es wäre Unfug, den alten Status restaurieren zu wollen.
Gepflegte Ratlosigkeit
Wozu auch? Was vom Museum geblieben ist, war die letzten Jahre ohnehin ein ewiges Provisorium: der „Geschichtsraum“ mit seinen Zeittafeln im letzten Winkel des Kellers. Das ist noch nicht einmal eine Notlösung, sondern Ausdruck der konzeptionellen Ratlosigkeit, die in der Kommune, im Kulturpakt und an der Basis Kulturschaffender gleichermaßen geherrscht hat, offenbar bis heute besteht. Siehe dazu auch: „Museum im Rathaus: Abgesang“!
Daher meine ich, die Krise ist ein Geschenk, denn sie zwingt uns zum Nachdenken. Das ist genau, was Krisen bedeuten. Wie in der schon erwähnten Lawinen-Metapher. Wenn die Lawine losgebrochen ist, gibt es wache Leute, die sich bemühen, sie zu surfen. Andere schreien bloß, werden weggerissen und von ihr begraben. Siehe dazu als Beispiel: „Gleisdorf: Das war’s!“
Das „Museum im Rathaus“ war also schon lange keines mehr. Die eigentlichen historischen Schätze, wunderbare Archivalien und Artefakte, liegen weitgehend ungenutzt im Keller unter dem Service-Center. Einige davon wurden nur selten hervorgeholt, etwa für die sehr anregenden Ausstellungen unter dem Titel „Stadtgeflüster“. Doch im „Kulturpakt“ hat das offenkundig niemanden interessiert.
Plot Twist
Ich meine, nun wurde in Reaktion auf die Krise ein schwaches Narrativ verbreitet. Dieses Klagelied auf eine kulturelle Einrichtung, die es längst nicht mehr gab, nämlich das Museum, verstellt den Blick darauf, daß eine ganze Reihe künstlerischer Veranstaltungen eine recht gute Art waren, die Räume zu nutzen. Aber Museum, das ist etwas anderes.

Diesen Modus mit Geldern, die nicht vorhanden sind, weiterzuschreiben, ohne a) ein künstlerisches Konzept vorzuschlagen und b) eine Idee für ein zeitgemäßes Museum zu haben, wäre völliger Mumpitz. Darüber ist freilich bei der wichtigen „Montags-Session“ vom 9.2.2026 nichts zu hören gewesen.
Die Bücherei
Wie schon angedeutet, der dominante Tenor aktueller Debatten lautete: Restauration! Das ergibt aber in einer Zeitenwende und in der aktuellen Krise keinen Sinn. Nun hatte sich die problematische Situation eben eingestellt. Die „Montags-Session“ blieb ohne eine einzige interessante Vision. Ist okay! Wir befinden uns ja nun in der Transitions-Phase. Da weiß noch niemand, was sein wird.
Nun übersiedelt die Stadtbücherei in die Kellerräume des Rathauses. Dazu habe ich allerhand Einwände gehört. Ich aber finde das passend, wenn man die Transition als Übergangsphase begreift. Außerdem: Was ist eine Bibliothek? Sie ist ein Museum immaterieller Kulturgüter, die in den derzeit immer noch stabilsten Datenträgern unserer Zeit verwahrt werden. In Büchern.
Das halte ich für eine passende Nutzung der Räume, bis a) neue Ideen da sind, was ein Stadtmuseum zukünftig sein mag, und b) Mittel für eine allfällige Umsetzung gefunden wurden. Genau das setzt aber die Ideen voraus, welcher derzeit offenbar noch niemand hat. Daran läßt sich arbeiten.
Und Räume für die Kunst? Dafür gilt das gleiche. Die Phase der Transition nutzen, Ideen entwickeln, zu all dem klären, wer nun wofür Verantwortung übernehmen möchte. Kurz: an den Aufgaben arbeiten, die Lawine surfen, statt Panik zu pflegen und herumzuschreien.
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)
Postskriptum
Das Werk auf dem zweiten Foto stammt von Herta Tinchon und war Teil unseres Kunstsymposions „the track: axiom | 2014“, als wir über die „Urkatastophe des 20. Jahrhunderts“ nachgedacht haben, den Großen Krieg von 1914-918: [Link]