Nun trennt uns in Gleisdorf noch rund eine Woche von jenem Arbeitstreffen, bei dem der aktuelle Status quo in Gleisdorfs Kulturpolitik zur Debatte stehen soll.

Das meint Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft in möglicher Wechselbeziehung. Ich habe an relevanten Mitteilungen im öffentlichen Diskurs bisher nur Statements von Kulturreferent Karl Bauer finden können. Der schrieb am 29.1.26 auf Facebook: „Ja, es gibt eine Kulturkrise, aber wir müssen professionell damit umgehen.“
Bliebe die Frage, wovon genau die Krise handelt (Befund?) und was dabei eine professionelle Verfahrensweise sei. Bauer: „Seit 25.11. sind die neuen Vorgaben allgemein bekannt. Seit dem arbeiten Politik und Verwaltung daran, neue Wege zu finden, um den hohen Standard der Kulturstadt Gleisdorf zu erhalten.“
Daher auch die Frage, was genau mit „hoher Standard“ gemeint ist. Wege? Neu? Von Bürgermeister Christoph Stark weiß ich in der Sache bis heute nichts, außer daß er sich mit Gunter Schabl und Susi Schrampf getroffen habe, um politische Optionen zu besprechen. Ergebnis? Unbekannt.
Dann wäre da der Kulturausschuß, genauer: der „Ausschuss für Kultur, Marketing, Tourismus und Internationales“. Insgesamt fünf Mitglieder, mit Vize Katharina Schellnegger darunter eine professionelle Kulturmanagerin. Was hat uns der Ausschuß aktuell mitzuteilen? Bisher nichts.
Nun zur Verwaltung. Wesentliche kulturpolitische Weichenstellungen kamen über viele Jahre aus der Abteilung „Kultur & Marketing“. Hatte uns deren Boss Gerwald Hierzi zur aktuellen Bruchstelle etwas zu sagen? Nein. Er schweigt.

Immerhin gibt es dort mit Eva Lassnig eine fix angestellte Bereichsleiterin, die als Kulturpaktbeauftragte eingesetzt wurde. Was wissen wir von ihr? Was hat a) ihre Abteilung inhaltlich vor, steht b) im Kulturpakt zur Debatte und wird daher c) in knapp einer Woche vorgeschlagen werden? Wir wissen darüber nichts.
Der Mangel an Informationen und Transparenz
Ich stelle hier also eine Art des umfassenden Blindflugs fest, in dem derzeit alle Beteiligten den 9.2.26 ansteuern. Ich meine, das ist kein Beispiel für „professionell damit umgehen“. Und dort wird dann mit der Arbeit an Lösungen bei null begonnen? Karl Bauer: „Dazu kommen Strukturen zur Zusammenarbeit, die vorgeschlagen, aber auch angenommen werden müssten (zB. die Weiterentwicklung des Kulturpakts zu einem Verein).“
Nun ist ein Verein bloß eine Struktur, um etwas Konkretes umzusetzen. Nämlich was? Wer sind derzeit die ProponentInnen des Vereins, also Personen, welche diesen Verein wofür brauchen? Was sind Zwecke und Ziele des Vereins? Ohne die wenigstens skizziert zu haben, braucht niemand einen Verein. Wie kann all das überhaupt laufen?
Wenn ein Jahrzehnt Kulturpakt einen praktischen Nutzen an Vernetzung und Themenentwicklung erbracht hatten, sollten jetzt schon nun ein paar Kulturpakt-Members, primäre Kräfte, Kunst- und Kulturschaffende, mit eigenen Ideen auffindbar sein. Leute, die ihre Optionen den Funktionstragenden aus Politik und Verwaltung vortragen, um Schnittpunkte aufzuspüren, Details zu diskutieren.
Das wäre meine Vorstellung der Bauer’schen Überlegung: „aber wir müssen professionell damit umgehen.“ Und? Läuft was? Was immer im Rathaus erwogen wird, dazu sollten ja auch die primären Kräfte der Zivilgesellschaft mit Ideen präsent sein, was auf der Höhe der Zeit geschehen möge, da wir uns in einem enormen globalen Umbruch befinden. Haben Sie die letzten Wochen was vernommen? Ich nicht.
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