Wissens- und Kulturarbeit von Relevanz, künstlerische Praxis eingeschlossen, braucht sehr verschiedene Arten von Ressourcen.

Auf jeden Fall Know how und praktische wie soziale Kompetenzen. Paktfähigkeit. Auch betriebswirtschaftliches Denken. Geld ist eine der brisanteren Ressourcen, weil es – anders als Wissen – weniger wird, wenn man es mit jemandem teilt.
Bei unseren Kulturbudgets geht es um einen jeweils anlaßgebezogenen Mix aus Eigenmitteln mit möglichem Sponsoring durch Wirtschaftstreibende, ferner mit Kofinanzierungen aus öffentlichen Geldern. Was hat sich da die letzten Jahre verändert?
Die regionale Wirtschaft ist zunehmend unter Druck geraten. Das schließt die Regionalblätter ein, über die wir bisher allerhand Sichtbarkeit unserer Arbeit herstellen konnten. Und das Subventionswesen? Aber der Reihe nach!
Konsequenter Kompetenzgewinn?
Im Stadtjournal Gleisdorf vom Oktober 2024 appellierte Kulturreferent Karl Bauer: „Politik gestaltet Kultur und umgekehrt – beide gestalten die Gesellschaft auf gleicher Augenhöhe! Ich möchte Sie deshalb zur Mitarbeit herzlich einladen!“
Das deckt sich völlig mit meiner Auffassung: Politik entsteht erst, wenn Staatskunst und Gemeinwesen kooperieren, gemeinsam an Themen wie Aufgaben arbeiten. In jener Bauer’schen Glosse findet man auch die Losung „When we share, we win!“. Es ist nun das aktuelle Motto der Gleisdorfer Kulturpolitik.
Siehe dazu die Umfrage im Web, Zitat: „When we share, we win! Der Kulturpakt der Region Gleisdorf besteht nun bereits rund 13 Jahre! In dieser Zeit hat sich dessen Arbeit im gesamten Einzugsgebiet etabliert und es konnte gemeinsam viel erreicht werden.“ [Quelle]
Bauer betonte aktuell: „In Zeiten des Sparens auf allen Ebenen – und besonders im Kulturbereich – ist es nun notwendig, sich mit unserer Zukunft zu beschäftigen.“

Bauers Appell von 2024 hat hinter den Kulissen eine bemerkenswerte Vorgeschichte. Den Kulturförderungsberichten des Landes Steiermark entnehme ich, daß die Stadt Gleisdorf von 2019 bis 2022, also über Jahre, insgesamt € 44.700,- für „Kunst- und Kulturimpulse im Seminar- und Veranstaltungszentrum forumKLOSTER Gleisdorf“ bezogen hat.
Was leistet der Kulturpakt?
Soweit ich weiß, war das im Kulturpakt nie ein Thema. Ich kenne weder die Inhalte, noch die Ergebnisse dieser vier Seminare. Mir scheint, weder die Kulturpakt-Members, noch andere Kulturschaffende von der Basis waren da involviert.
Übrigens vor dem Hintergrund, daß die Kommune zusätzlich für „Kulturimpulse Gleisdorf“ verschieden hohe Subventionen bezogen hat. Von 2013 bis 2024 waren das insgesamt € 282.500,- für Aktivitäten, die ja mindestens zum Teil dem Kulturpakt gewidmet sein mußten.
Mir fehlen freilich Berichte über die Ergebnisse. Keine wenigstens Stichwort-Protokolle, keine Resolution, kein kulturpolitisches Strategiepapier, das etwa bei einer Kulturpakt-Konferenz diskutiert worden wäre.
Wir reden von zwölf Jahren Gleisdorfer Kulturarbeit, gestützt auf über € 300.000,- an Landesmitteln, die sicher nur Kofinanzierungen waren. Ich wäre überrascht, falls das Land solcher Vorhaben zu hundert Prozent ausfinanzieren würde. Daher müssen da noch andere Mittel verfügbar gewesen sein.
Was haben wir nun?
Diese zwölf Jahre Arbeit haben dazu geführt, daß sich seitens der Kulturpakt-Basis (Kunst- und Kulturschaffende) gerade einmal 15 Personen exponiert haben. Das ergab acht Kommentare, davon aber keiner, der inhaltlich und strategisch als adäquate Antwort auf die aktuelle Krise erscheint. Siehe: [Link]
Mir ist auch von keiner anderen Seite her ein kulturpolitischer Diskurs bekannt, den wir als einen Beitrag zur aktuellen Problembearbeitung beachten könnten. Bleibt im Augenblick nur das, was im Rathaus hinter verschlossenen Türen geschieht. Darüber sollten wir, so Karl Bauer, noch im Jänner 2026 informiert werden. [Fortsetzung folgt!]
+) Vorlauf
+) Die Tabelle („Thema Sparmaßnahmen“)
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)
Postskriptum
Ich hab bei meiner Recherche Top down-Projekte wie „Buchfink – Lesefestival“, „ChorForum Gleisdorf“, „Contrasts and perspectives: Kosova“, „Jugendblasorchester der Musikschule Gleisdorf“, „Menschenbilder“ oder die „Stadtkapelle Gleisdorf“ nicht einbezogen, weil diese kulturellen Projekte in anderen Zusammenhängen umgesetzt werden. Sie können aber alle Details in den öffentlich verfügbaren Kulturförderungsberichten nachschlagen.
Meine Aufstellung bezieht sich bloß auf jene Subventionen, die rund um den Kulturpakt Gleisdorf wirksam geworden sein könnten, also Kulturpolitik bottom up begleitet haben.
