Stell es Dir so vor: Du hast ein supernes Schlagwort gefunden. So einen knackigen Wohlfühlbegriff. Zum Beispiel: „Die Kulturschmiede“. Dann fiel Dir mitten in der Nacht ein superner Slogan dazu ein.

Etwa: „Fachwerkstatt für heiße Eisen“. Nein, das ist vielleicht ein wenig zu heftig für Deine Region. Besser etwas Moderateres. Vielleicht: „Ein Ort, wo Funken sprühen“.
Egal! Dafür könnte es eventuell irgendwo ein Budget aus einem Förderprogramm geben, dann sollen das Profis verfeinern. Jetzt gehört eine Trägerschaft eingerichtet. Eine ARGE (Arbeitsgemeinschaft) als Rechtsform? Oder besser ein Verein als eigenständige juristische Person?
Und dann ein bißl Infrastruktur. Muß ja nicht gleich ein eigenes Büro sein. Irgendwo ein Schreibtisch mit Computer. Oder nur ein Schreibtisch, ich hab eh einen Laptop. Dann die Leute zusammentrommeln. Künstlerinnen und Künstler. Um was es geht? Na, um Vernetzung. Und gemeinsam kann man besser Subventionen abholen. Und öfter in den Medien aufscheinen.
Fein! Bloß weiß bis dahin noch niemand, wofür die ganze Nummer eigentlich gestartet werden soll. Was sind die Inhalte? Was die Geschichten? Was möchte erzählt und gezeigt werden. Wo soll das stattfinden? Wer übernimmt dabei wofür Verantwortung? Wäre vielleicht ein Pilotprojekt sinnvoll, hilfreich? Immerhin entsteht ein „Wir“ im Kulturgeschehen eigentlich nie wirklich beim Reden, sondern beim gemeinsamen Tun.
Einsame Genies, die sich in das Rad der Geschichte werfen, um damit den Lauf der Dinge zu ändern und eine Gefolgschaft anzuregen, hab ich im Kulturbereich noch nie gesehen. Ich halte es zwar für möglich, Leute über ihre Begehrlichkeiten zu rekrutieren, handle mir damit aber entweder große Aufgaben oder große Probleme ein.
Ich meine, dieser Modus hat nur dann Sinn, wenn man mit einer Agentur loslegt und die Werke der Leute, denen man sich widmet, einen Marktwert haben, über den sich die Kosten für eine Agentur lukrieren lassen. Wer sowas mit Subventionen abdecken möchte, wird gegen die Wand fahren. Und um für Sponsoren attraktiv zu werden, dürfte ein Schwerpunkt auf Voluntary Arts („Hobbykunst“) nicht reichen.
Autonome Praxis in der Wissens- und Kulturarbeit muß doch am ehesten von der Basis her entstehen, beginnt mit der Verständigung über Inhalte, um klären zu können, was an gemeinsamen Interessen da ist.
Ab diesem Punkt halte ich die Debatte von Organisationsformen für sinnvoll. Bevor aber Inhalte und mögliche Vorhaben besprochen sind, vorzugsweise sehr konkret, kann die Konzentration auf das Institutionelle und auf PR-trächtige Slogans sehr leicht einen (teuren) Irrweg eröffnen.
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)