Fragen zur Netiquette II

[Vorlauf] Ich war schon ein Netizen, ein Bewohner der Netze, da gab es noch gar kein Internet. Zu meinen frühen Erfahrungen gehört, daß irrationale Verfolgungsjagden und Haß-Tiraden umgehend in den Online-Gruppen aufgetaucht sind.

Manche Netizens gönnen sich ein etwas außerirdisches Verhalten.

Man nannte solche Leute Trolle. Der Begriff ist heute noch gebräuchlich. Als ich vor einigen Jahren erlebt habe, daß eine verhaltensoriginelle Frau mich für eine passende Zielperson hielt, um mir als Stalkerin über Monate auf alle denkbaren Arten nachzustellen, bekam ich Eindrücke, wie sehr manches im Internet auf kriminelle Art jenem Stalking gleicht, das einen im realen Leben treffen kann.

An solchen Typen kann man keine Verhaltensänderung herbeiführen, Man muß sich gegen sie abschotten. Vieles an Shitstorm und Hater-Ausritten wird zum Glück nicht von psychisch kranken Menschen losgetreten, sondern von aufgeplusterten Leuten, die sich auf Kosten anderer Netizens eine Spannungsabfuhr gönnen.

Bevor es Social Media gab, mußte ich da vor allem in den Kommentarzeilen meiner Websites immer wieder aufräumen. Daher hab ich schließlich – etwa hier, bei Kunst Ost – die Kommentarfunktion einfach abgeschaltet. Es frißt ja meine Zeit, wenn ich etwa bei 20 Statements nur einen irgendwie anregenden Kommentar finde, der Rest einfach Lästern und Gezänk ist.

All dieses Sudern, Jammern und Schimpfen, zu dem viele meiner Landsleute neigen, mögen sie gegen Honorar einem therapeutischen Personal vortragen. Ich weise das zurück und klappe die Trittretter hoch. Bei mir fährt niemand gratis mit, um auf meine Kosten das eigene Seelenheil aufzupolieren.

Wer korrekt daherkommt, kann mir über eine der Kontaktadressen schreiben und ich übernehme anregende Kommentare gerne auf die Website. Ich behalte mir die Redaktionshoheit vor. Ich schicke Nervensägen, Schreihälse und Jammerlappen weg.

Mir ist im Rückblick klar geworden, daß selbst die Veteranen der heimischen Netzkulturszene in den späten 1990ern nicht kommen sahen, was uns die Social Media an Konfliktpotential ins Gemeinwesen gedrückt haben. Zu Ihrer Orientierung: Facebook wurde 2004 gegründet. 2006 ging „twttr“ als SMS-Format ins Web, etabliert sich als „twitter“. Details der Historie:

+) Netzkultur-Geschichte: Timeline (Ein kleiner Überblick)

Inzwischen sind die Haß-Tiraden ein großes soziales und politisches Problem. Deshalb erlaube ich auch niemandem auf Facebook, in meiner Timeline jemanden zu rempeln, anzupöbeln, abzuwerten.

Außerdem lösche ich Facebookies, die erlauben, daß mich jemand in ihrer Timeline anpöbelt, aus meiner Kontaktliste. Nicht daß ich so empfindlich wäre. Ich komme aus dem Sozialbau und hab seinerzeit gelernt, wie man mit Rüpeln abfährt. Außerdem ist Facebook ein sehr stark textgestütztes Medium. Sprache ist mein Metier. Wer da mit mir ein Tänzchen sucht, wird es nicht leicht haben.

Doch ich lege keinen Wert auf den Kontakt mit Facebookies, die in ihrem Bereich rüpelhaftes Verhalten dulden. Wer sowas für den Ausdruck von Meinungsfreiheit hält, hat weder die Demokratie verstanden, noch eine passable Auffassung von sozialem Verhalten. Solche Figuren brauche ich in meiner Nähe nicht.

+) Netzkultur (Notizen)