Während der rund 50 Jahre meiner Praxis in der Wissens- und Kulturarbeit habe ich noch nie gesehen, daß sich ohne gemeinsames Tun eine Gruppe formieren und ein Wir konsolidieren könnte.

Ich kenne es nur so: Konkrete Themen, die einen gleichermaßen interessieren, können zum gemeinsamen Tun führen. Das Wir braucht schließlich auch noch Rituale und Symbole. Dem steht gelegentlich ein Modus gegenüber, den Künstlerin Monika Lafer gerne so zusammenfaßt: „Setz dich her, sind wir mehr.“
Zu all dem läßt sich in der Steiermark immer wieder eine populäre Privatmythologie finden. Das Phantasma Solidarität. Ich hab beim Kunstvölkchen im erwähnten Zeitraum einige Male Momente der Solidarität gesehen. Als ein seltenes, vor allem zeitlich und räumlich begrenztes Phänomen.
Was daraus folgt? Für meinen Teil beginnt ein mögliches Wir mit dem gemeinsamen Interesse an konkreten Themen. Solche Schnittpunkte ergeben erste Klarheiten, für welches Vorhaben etliche Leute praktisch zusammengreifen würden. Dann geht es in die Praxis, die vor allem auch wichtig ist, um zu erfahren, wie die einzelnen Leute der Crew ticken.
So ein Prozeß wird immer auch so manchen Dissens bergen, aber es wird sich vor allem zeigen, wie sehr Zustimmung aller Beteiligten überwiegt. Ist diese Erfahrung gemacht, wird man sich eventuell für weitere Vorhaben eine Struktur schaffen, die der Gruppe als Trägersystem nützt.
So hab ich es mit der „Garage“ erlebt, mit „Kultur.at“, mit „Kunst Ost“, so hat es sich inzwischen mit unserem „Archipel“ bewährt. Daß jemand den umgekehrten Weg gehen möchte, erstaunt mich. Aber ich hänge an einem simplen Prinzip: „Wenn es wer besser weiß, machen wir es anders.“
Wie ließe sich das salopp zusammenfassen? Vielleicht so. Als ich den Maler Hannes Schwarz (†) einmal gefragt habe: „Woran erkennt man Meisterschaft?“, überlegte er kurz. Seine lapidare Antwort lautete: „Am Ergebnis.“
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)
+) Hannes Schwarz im Originalton