Gleisdorf: Camping im Jammertal III

[Vorlauf] Wir erleben, wie die konventionelle Medienlandschaft in der Provinz einer belasteten Wirtschaft folgt und markante Einbrüche erlebt.

Gleisdorf hat eine sehr anregende kuturpolitische Krise.

Dem gegenüber kann ich sogar als Privatperson in der Rolle eines Kulturarbeiters belegen, daß es ein Publikumsinteresse gibt, dem sich medial entgegenkommen läßt. Dafür nützt uns das Internet. (Dazu in dieser Glosse ein paar Zahlen.)

Das jüngste Beispiel eines massiven Einbruchs: „Stadtjournal Gleisdorf“, offizielles Organ der Kommune. Die Printausgabe wurde von 12 Ausgaben pro Jahr auf vier runtergefahren, wobei die separaten Kulturbeilagen per Halbjahr komplett entfallen.

Gleisdorfer Kulturpolitik: Vom 23. bis zum 31.3. über zehntausend Zugriffe.

Hat jemand im Rathaus irgendeinem Plan B, um das zu kompensieren? Etwa eine Extension im Web, über die sich das Publikum ansprechen ließe? Ein kommunaler Info-Dienst im Geiste einer „Kulturstadt“? Vielleicht sogar eine Idee, wie man sowas in Kooperation mit der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft – den Künstlerinnen und Künstlern – gemeinsam abfangen und ausgleichen könnte?

Jede Menge Ratlosigkeit
Schweigen im Gemeinderat. Schweigen im Kulturpakt Gleisdorf. Bloß eine lange Liste von Unmutsäußerungen, aber so gut wie keine Lösungsvorschläge. Die Marketing-Abteilung hat sich übrigens einfach auf das eigene Programm zurückgezogen, konnte bisher also ebenfalls keine neuen Ideen vortragen, bloß sich selber auf ein Minimum runterfahren.

Es gibt immerhin den „Blätterkatalog Kultur“ mit dem Aviso: „Im Gleisdorfer Kunst & Kultur-Folder fassen wir drei Monate Veranstaltungs- und Kulturprogramm für Sie zusammen. Schmökern Sie sich durch das Gleisdorfer Veranstaltungsangebot!“ Siehe: [Link]

Thema Gleisdorf: Vom 23. bis zum 31.3. über siebentausend Zugriffe.

Das heißt, die Kommune bietet hauptsächlich Entertainment. Gegenwartskunst kommt da kaum vor. Die Kulturpakt-Members wurden in diesem Kontext einfach fallengelassen. Gut, das bietet wenigstens Klarheit. Entertainment ist okay. Es bringt Lebensqualität und ist so auch ein Beitrag zum sozialen Frieden und ein günstiger PR-Faktor für die Stadt.

Was aber die „Kulturstadt Gleisdorf“ sei, ist momentan vor allem Privatsache. Dazu hatte der Kulturausschuß Gleisdorfs seit letztem November nichts zu sagen, keine Ideen, kein Konzept. Damit wir uns recht verstehen, ich schätze solche Klarheit. Sie zwingt uns, den Gleisdorfer Kulturbetrieb neu zu denken.

Publikumsinteresse an Gleisdorf-Themen
Ich habe eingangs erwähnt, daß ich allein schon als Privatperson und Kulturarbeiter ein Publikumsinteresse belegen kann, welches mich selbst überrascht. Einfache Zugriffszahlen haben zwar eine mäßige Aussagekraft, aber sie zeigen immerhin eine Tendenz. Was müßte da erst einem Netzwerk einfallsreicher Leute gelingen, noch dazu in Kooperation mit der Kommune?

Femizid (Auch ein Kultur-Thema!):
Vom 21.2. bis zum 31.3. über neunzehntausend Zugriffe.

Man müßten aber einige Leute vom Sofa hochkommen und kurz die Komfortzone verlassen, statt zu bejammern, was verlorengegangen ist. Ich habe in „Zur Zeitenwende“ (Ein kulturpolitisches Positionspapier) schon auf die Frage verwiesen: „Wer sind die Sachpromotoren und wer die Machtpromotoren? Wie sollen ihre Beziehungen miteinander geregelt sein?“

Dazu schlage ich vor, sehr konkret die Liste jener Genres zu klären, denen sich Aktive verpflichtet fühlen, damit erkennbar wird, worauf heute verfügbare Mittel verteilt werden müßten. Dazu der Hinweis: „So kann Klarheit über die jeweiligen Rollen gefunden werden und es sollte gelingen, verdeckte Intentionen auszuschließen. (Verdeckte Intentionen sind ein sicheres Mittel, jede Gemeinschaft früher oder später zu kippen.)“

+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)
+) Gleisdorf: Kulturpolitik und Quote
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