Wort zum Sonntag: Kultur zwischen Auftrag, Anspruch und Realität

Von Sonja Herbitschek

Kürzungen im Sektor Kunst und Kultur lassen aktuell die Wogen hochgehen – auch in der Steiermark und in Gleisdorf. Und das zurecht.

Das MiR ist als Ausstellungsort Geschichte.

Denn Kultur ist weit mehr als ein „Nice-to-have“. Sie ist ein tragender Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens. Für mich bedeutet Kultur: Räume schaffen. Räume für Reflexion, für Dialog, für Reibung. Kultur hat den Auftrag, gesellschaftliche Themen aufzugreifen, sichtbar zu machen und auch unbequeme Kontrapunkte zu setzen. Sie darf hinterfragen, irritieren, zum Denken anregen – vielleicht sogar mehr denn je in einer Zeit, die oft von Polarisierung und Vereinfachung geprägt ist.

Gleichzeitig stellt sich eine provokante, aber notwendige Frage: Ist ein schönes Bild automatisch Kunst?

Oder anders gefragt: Wo beginnt der gesellschaftliche Auftrag – und wo endet reine Selbstdarstellung?

Budgets zwingen uns, genauer hinzusehen. Sie schaffen Druck – aber vielleicht auch Klarheit. Nicht alles, was sich „Kultur“ nennt, erfüllt automatisch einen gesellschaftlichen Mehrwert. Und genau deshalb braucht es neben der politischen Diskussion auch eine ehrliche Selbstreflexion innerhalb der Kulturszene.

Vielleicht gilt auch hier: zuerst innehalten, bevor man in die Streitschrift geht.

Kultur ohne Unterstützung wird es schwer haben. Mäzene, öffentliche Förderung, engagierte Gemeinden – sie alle sind Teil des Systems. Kultur finanziert sich selten selbst, und das ist auch nicht ihr primärer Zweck.

Gerade auf regionaler Ebene, wie in Gleisdorf, zeigt sich, wie eng Kultur mit Identität, Gemeinschaft und Lebensqualität verwoben ist. Hier wird sichtbar, was verloren geht, wenn Räume verschwinden – aber auch, welches Potenzial entsteht, wenn Kultur bewusst gestaltet und getragen wird.

Vielleicht liegt genau darin die Chance dieser Diskussion: Nicht nur über Kürzungen zu sprechen, sondern über den Kern. Über den Auftrag von Kultur. Und über die Verantwortung – auf beiden Seiten.

+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)

Credits
Dieses Statement wurde als Kommentar zum Gleisdorfer Gastspiel der „Rettungskette 4“ (Kampagne „Kulturland retten“) verfaßt, zu einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Was ist uns Kunst- und Kulturarbeit wert?“

Sonja Herbitschek ist Logistics & Procurement Leader, Zitat: „I am passionate about people and processes, creating strong teams, and shaping sustainable business solutions. With more than 20 years of experience in Supply Chain Management, IT Process Management and Procurement I thrive at the intersection of strategy, operations, and people —driving efficiency while fostering a collaborative and motivated work environment.“