Steiermark: (Kultur-) Land unter? II

[Vorlauf] Eine Protestaktion ist noch kein kulturpolitscher Diskurs, sondern bloß der Spin-off eines kritischen Diskurses. Oder eine leere Geste. Mein Prinzip: Begründen statt verkünden! Vor allem, wenn es um politische Kontroversen geht.

Staatliche Mittel sind die Ergänzung, nicht der Ausgangspunkt.

Ich kenne da in meinem Milieu höchst unterschiedliche Positionen. Diese Vielfalt ist nicht anfechtbar. Im Gegenteil, sie ist wünschenswert. Aber als Freelancer in der Provinz weiß ich gute Gründe, den laufenden Sachdiskurs für unverzichtbar zu halten, während im Landeszentrum an vielen Stellen offenkundig der Systemerhalt vorgeht. Da wird mit präzisen Begründungen keine Zeit verplempert.

Für mich begreiflich. Doch das bedeutet, wir sitzen quer durchs Land genau nicht im selben Boot. Ich bin überzeugt, daß sich kulturpolitisch kaum etwas erreichen läßt, wenn man alles über einen Kamm schert und in den Begriffen ungenau ist, was die Slogan-Produktion eben nahelegt. Ich stelle fest, das passiert aber immer häufiger.

Wer das „Kulturland retten“ möchte, impliziert, daß der Untergang droht. Das halte ich für Alarmismus, der einen Mangel an intellektueller Selbstachtung ausdrückt. Ich habe die vorige Notiz mit dieser Passage enden lassen: „Wenn aber nun Leute aus staatsnahen Betrieben allgemeine kulturpolitische Statements abgeben, die den Eindruck erwecken, sie wären im Namen ‚der Szene‘ gesagt, ‚der Initiativenszene‘, im Namen von uns allen, dann halte ich das für eine problematische Unschärfe.“

Welche Unschärfe?
Wer im Landeszentrum einem größeren Haus angehört, einer aufwendigeren Einrichtung, führt ein völlig anderes Leben als ich Freelancer in der Provinz, hat andere Prioritäten, mutmaßlich auch andere Intentionen und Ziele.

Ich sehe uns komplementär zueinander angeordnet, kann auch verstehen, was dort – in Graz – gedacht und gesagt wird. Aber diese Teams sprechen nicht ohne weiteres für mich, denn sie haben mutmaßlich von meinen Prioritäten, Intentionen und Zielen eher keine Ahnung.

Konkretes Beispiel
Im Rathaus von Gleisdorf, rund 30 Kilometer östlich von Graz, ist für den 21. März 2026 eine Debatte angesetzt. Den Titel „Was ist Kunst- und Kulturarbeit wert?“ finde ich etwas verwirrend. Kunstwerke haben verschiedenen Marktwert, je nachdem, welches Marktsegment man betritt.

Wissens- und Kulturarbeit ist eine völlig andere Kategorie. Was genau meint nun Initiatorin Elfi Scharf? Denn es gehört gewiß nicht zu den Aufgaben der Kommune, Kunstproduktion zu finanzieren. Was dann? Wissens- und Kulturarbeit müßten wir genauer definieren, um Budgets verhandeln zu können. Zu dem Aspekt finde ich keine näheren Angaben.

Inhalte?
Das Veranstaltungs-Poster zum 21. März listet genau das auf, was Gleisdorfs Marketing-Chef Gerwald Hierzi schon bei der Montags-Session des „Kulturpakt Gleisdorf“ am 9.2.2026 vorgetragen hat. Nicht mehr. Eine kleine Liste all dessen, was nun nicht mehr geht. Okay. Wissen wir. Seit Monaten. Dann aber zu all dem keine Idee, was nun geschehen wird. Diese Liste hat Scharf einfach übernommen.

Seit Novemer 2025 nur Fragen und noch keine Ideen?

Jeder versierte Projektmanager wüßte, daß man mit so einer traurigen Nummer, zumal in der Wiederholung, bloß Vermeidungshaltungen produziert, wenn zu all dem keine neue Idee, keine Vision kein Lösungsvorschlag zur Sprache kommt. Sowas fällt freilich nicht vom Himmel.

Scharf ist seit jeher im „Kulturpakt Gleisdorf“ verankert, hat das Festival „Puppille“ in Kooperation mit der Gleisdorfer Kommune beachtlich entwickelt. Wie ist es möglich, daß in den letzten zehn Jahren weder Politik, noch Verwaltung, aber auch keine primären Kulturkräfte wie Scharf, irgendwelche Ideen entwickelt haben, die den möglichen Einbruch von Budgets betreffen?

Wie es kam
Wir haben sowas 2010 erlebt, nachdem die USA 2008/2009 eine Weltwirtschaftskrise losgetreten hatten. Wir mußten spätestens im zweiten Corona-Lockdown von 2020 annehmen: So könnte es wieder kommen. So kam es auch.

Das Wasser ist naß. Der Papst ist katholisch. Der Schnee ist kalt.

Nun waren gut fünf Jahre Zeit, inhaltlich und strategisch vorzubauen, falls eintritt, was heute der Fall ist. Seit Ende November 2025 wußten wir in Gleisdorf schon, was geschehen wird. Da war klar, wie der Gleisdorfer Kultursektor zur Jahreswende kollabieren wird. Und? Nichts als Jammertöne. Ich kenne keine taugliche Streitschrift, kein Ideenpapier, keinen Notfallplan, sondern nur die Lamenti von Politik, Verwaltung und Basis.

Da aber nun die Kampagne „Kulturland retten“ in Gleisdorf Station mach: Haben Sie eventuell das launige „Manifest #kulturlandretten“ gelesen? Eine Art Befindlichkeitsprosagedicht. Was der Text in unserer Situation wem wie nützen soll, ist mir freilich schleierhaft. Ich ersuche um zweckdienliche Hinweise.[Fortsetzung folgt!]

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