Die kulturpolitischen Erschütterungen der Steiermark waren vorhersehbar. Allein schon durch die Corona-Krise und deren Effekte, die unseren Wohlstand klarerweise absenken.

Im Kielwasser der Probleme, die uns genau zehn Jahre davor erreicht hatten. Damals schlugen die Konsequenzen einer Weltwirtschaftskrise bei uns ein, 2008/2009 in den USA losgetreten. Bei uns also 2010: Sparmaßnahmen, Verwaltungsreform und Doppelbudget. Bald drauf Gemeindezusammenlegungen etc., allerhand ökonomische und politische Folgen. Schließlich 2020: Corona. Es war daher schon seit Jahren völlig klar, daß der Kultursektor – neben anderen Bereichen – schwer unter Druck kommen werde.
Da ist für mich ein FPÖ-Landeshauptmann bloß noch „Zuwaage“, bei der ebenfalls keine Hellseherei nötig ist, um abzusehen, daß sich Gewichte verschieben. Ist das Wasser naß? Ist der Papst katholisch? Zielen Kulturkonzepte der FPÖ ideologisch nach rechts, wenn man sie am Status quo der „Initiativenszene“ mißt?
Wer das nicht kommen sah, muß geschlafen haben. Wir hatten am 24. November 2024 einen neuen Landtag gewählt. Ich sehe mir das Zeitfenster der Krisenschübe und seine Markierungen an: 2010, 2020, 2024, 2026. Zeit genug, um sich zu wappnen.
Abseits des Zentrums
Ich gehöre einer tatsächlich autonomen Kulturformation in der Provinz an. Wir haben auf die letzten rund 20 Jahre inhaltlich und strategisch reagiert, unsere Wissens- und Kulturarbeit entsprechend entworfen. Das heißt, selbst wenn keinerlei politisches Personal unserm Tun zustimmen wollte, haben wir einen stabilen Basisbetrieb, mit dem sich kontinuierlich Programm fahren läßt.
Das läßt sich klarerweise nicht mit einem „Forum Stadtpark“, „Theater im Bahnhof“, „uniT“ etc. vergleichen. Es ist ein anderes Genre. Ich bin nun seit rund 50 Jahren aktiver Teil des steirischen Kulturgeschehens und dabei immer an den Optionen einer autonomen Kulturformation orientiert gewesen.

Das bedeutet, 50 Jahre Wissens- und Kulturarbeit habe ich mit meinen Verbündeten stets in der Schwebe gehalten, auf eine eigene Spielstätte, auf ein fixes Büro, auf feste Strukturen verzichtet. Ich wollte keine Energie in deren Erhalt stecken, Abhängigkeit riskieren, sondern alle Ressourcen für die primäre Arbeit verfügbar halten.
So könnte man freilich viele Kulturinitiativen, deren Teams nun unruhig werden, nicht realisieren. Etliche können ihren Bestand ja nur durch staatliche Kofinanzierung sichern. Deshalb meine ich auch, das sind keine „freien Initiativen“, autonom letztlich auch nicht, sondern staatsnahe Betriebe.
Ich hab damit kein Problem. Wir entscheiden allemal selbst, welchen Job wir tun wollen, worauf wir uns einlassen. Wenn aber nun Leute aus staatsnahen Betrieben allgemeine kulturpolitische Statements abgeben, die den Eindruck erwecken, sie wären im Namen „der Szene“ gesagt, „der Initiativenszene“, im Namen von uns allen, dann halte ich das für eine problematische Unschärfe. [Fortsetzung]
+) Gleisdorf: Kulturpolitik (Übersicht)