Spielstätten und Leerstände II

[Vorlauf] Es gibt sehr gute Gründe für das Prinzip, beim „Archipel“ keine eigene Spielstätte zu betreiben.

Geliehener Raum in der Weizerstraße 4.

Die laufenden Kosten dafür ließen sich mit unserer Art einer Wissens- und Kulturarbeit nicht einmal annähernd erwirtschaften. Demnach wäre das Projekt auf staatliche Kofinanzierung angewiesen und in hoher Abhängigkeit. Auf Landesebene gilt schon seit Jahren: Dort ist niemand auf einen nächsten Kasten, der erhalten werden muß, neugierig.

Auf kommunaler Ebene wäre nichts erwartbar, denn in Gleisdorf ist eben erst der gesamte hauseigene Kultursektor kollabiert. Da reicht das Geld momentan nicht einmal für die eigenen Liegenschaften.

Bliebe noch die Option Sponsoren zu gewinnen. Im Sportbereich geht da allerhand. Ich kenne freilich keine Argumente, die auf dem Level einen vergleichbaren Leistungsaustausch zwischen Kunst und Wirtschaft möglich machen könnten.

Manche retten sich mit ihrer Ratlosigkeit in Geschwafel, wie es etwa beim „Kulturpakt Gleisdorf“ öfter zu hören war. Zitat: „Man muß den Rüstungskonzernen Geld wegnehmen und es für die Kultur verwenden“.

Wer also rechtswidrig in Privatbesitz eingreifen möchte, möge sich eine Knarre besorgen und bei Glock, Oerlikon oder Rheinmetall vorsprechen. Ich fände es ja interessant, wie groß dann die Mündung wäre, in die so ein Schwätzer anschließend blicken müßte.

Kategorien
Wir unterscheiden beim „Archipel“ zwischen Kofinanzierung durch den Staat, Sponsoring und Mäzenatentum. Ich beharre auf dem Begriff Kofinanzierung, weil der Staat unser Tun nicht „fördern“ würde, sondern seinen Teil für ein gemeinsames Vorhaben beitragen könnte. Die entsprechenden „Förderverträge“ handeln ja sehr konkret von einem Deal.

Stattlicher Fenster in der Innenstadt als bespielbare Flächen.

Genau das, einen Deal, hätte man auch mit einem Sponsor. Einen Austausch von materiellen und immateriellen Gütern aufgrund konkreter Vereinbarungen.

Mäzenatentum ist da eine ganz andere Kategorie. Mäzene verlangen keine Gegenleistungen, sondern erwarten, daß man ihre Gaben im vereinbarten Sinn verantwortungsvoll nutzt.

Wenn uns Geschäftsleute Räume kostenlos zur Verfügung stellen, ist das eine erhebliche Leistung, denn jede Hütte verursacht allein schon dadurch laufende Kosten, daß sie nur herumsteht. Wir genießen in Gleisdorf derzeit drei Versionen solcher Zuwendungen.

Barbara Schäfer (Manufaktur Csamay) überläßt uns seit Jahren die nötige Kubatur für den „Zeit.Raum“ (Bürgergasse 12). Das Ärztepaar Ulli und Georg Kurtz überläßt uns projektbezogen die Räume der vormaligen k.k. Poststation (Hauptplatz 15). Die Familie Wesonig überläßt uns auf unbestimmte Zeit den großen Raum neben dem Eissalon „Reina“ in der Weizerstraße 4.

Dort setzen wir gerade den Auftakt für das neue archipelische Teilprojetkt „Tangente“ um. Das bedeutet: Es gibt eine Wechselwirkung zwischen uns und diesen sehr unterschiedlichen Räumen. Wir haben Themen, Inhalte, passen dann die Umsetzungsform an die jeweilige Raumsituation an.

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