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horizonte und reflexe

das jahr 2011 beginnt wie eine ausfahrt ohne klarheit, was hinter dem nächsten horizont liegt. die kulturpolitische situation hat in teilen des kulturbereiches zu einem üblichen, schon etwas antiquierten reflex geführt.

es wird ein „kulturkampf“ proklamiert. der handelt allerdings erfahrungsgemäß davon, daß zuständigen funktionären in politik und verwaltung die türen eingerannt werden. das sollte eigentlich nicht „kampf“ genannt werden, sondern „lobbyarbeit“.

der artikel zur headline in „der standard“: [link]

dieses reaktionsmuster ist fad. ich kenne es seit jahrzehnten. es läßt sich dabei vorhersagen, wer a) dabei am lautesten schreien wird und b) was dabei herauskommen wird. mich beschäftigt seit einer weile ein ganz anderer zugang. der basiert auf einer vorstellung von wechselseitiger verpflichtung im verfolgen gemeinsamer interessen.

es ist ja eine grundlegende idee im denkmodell von den „drei sektoren“, daß also akteurinnen und akteure aus den bereichen staat, markt und zivilgesellschafft in konkreten vorhaben mit einander KOOPERIEREN. das handelt freilich auch von einem vollkommen anderen rollen-modell im umgang mit einander. die kampf-attitüde als letztlich leere geste ist dabei kein interessantes rollenangebot. eine zentrale aussage im aktuellen blatt des projekt-logbuchs [link] besagt:

>>Wir erproben bei „kunst ost“ einen Arbeitsansatz, der sich nicht auf behauptete Pflichten stützt, wie man sie sich von Institution zu Institution gerne zuruft oder über die Medien ausrichtet. Wir versuchen Formen der Kooperation herbeizuführen, die von einem Bedürfnis nach wechselseitiger Verpflichtung getragen sein sollen. Kooperieren heißt ja unter anderem, mir ist nicht egal, was die Interessen und Bedürfnisse der übrigen Beteiligten sind.<<

das handelt übrigens auch von der vorstellung, über gehabte bruchlinien und vertraute ressentiments hinwegzusteigen. im kultur- und kunstbereich wird ja ganz gerne ein „WIR“ angedeutet, das sich in bildern einer „szene“ beschreiben ließe; das meiste davon: phantasmen. legenden. diese szene hat auf dem steirischen feld der kunst und kultur längst auch seine „kameradschaftsbünde“, die sich aktiver legendenbildung widmen.

ich habe gegenüber solchen tendenzen keinen einwand. derlei schafft sich von selbst in irgendwelche depots, womöglich auch in manches museum. gut so. hauptsache der krempel liegt einem nicht vor den füßen herum.

talking communities #3

kulturelle salons, zirkel, das hat so seine historien. diese kulturellen ereignisse, seit dem 18. jahrhundert in europa von bedeutung, waren in unserer geistesgeschichte prägend. sie waren auch die quelle bemerkenswerter geschichten.

ein beispiel: fjodor dostojewski gehörte einem zirkel an, in dem er einen text von wissarion belinski verlas, der gogol gewidmet war. dieser leseakt brachte ihn nach sibirien. der zar hatte ihm die lesung mit verbannung und zwangsarbeit quittiert.

sie merken schon, romantisch ist das eigentlich nicht. außerdem handeln solche geschichten von kreisen, denen meine leute nicht angehört haben. was sich dann als „bürgerlicher salon“ herauskristallisierte, ein hort kultureller entwicklungen (und politischer merkwürdigkeiten), kann eigentlich auch kein angemessenes modell für mein milieu abgeben.

nostalgia 1984: martin krusche (links) mit dem filmemacher herbert josef grosschedl

heute ranken sich viele legenden um das grazer „forum stadtpark“. das meiste davon halte ich für kreative privatmythologien, wenngleich man die meriten von fredi kolleritsch & co. ja nich gering schätzen muß. das war die generation vor uns. und die ist hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt gewesen. (diesbezüglioch sind wir bei diesen professoren und bohemiens in die lehre gegangen.)

schließlich gab es „graz underground“ in den 1980er-jahren, boheme-hafte zustände, künstlerisch betonte kreise der nachfahren von keuschlern, kleinhäuslern, dienstboten. wie viele generationen hatte es bisher denn gegeben, um solche art der „kulturellen kreise“ zu erproben? wir waren eher „offene zirkel“, ohne gemeinsames programm, ohne gemeinsame vorhaben im kunstbetrieb.

nostalgia 1984 (von links): walter grond, lucas cejpek, helga glantschnig und stephan eibel erzberg

unter uns gab es zwar vereinzelt leute, die situierter mittelschicht entstammen, aber das war ja eigentlich kleinbürgertum, bildungsbürgertum, also seinerseits noch in erheblicher sozialer distanz zu dem, was in den rund 200 jahren davor „salon-kultur“ ausgemacht hatte.

die unsägliche „verschnöselung“ des bildungsbürgertums hat inzwischen einige terrains frei gemacht. was meint „verschnöselung“? ich habe es seit vielen jahren im kulturbetrieb laufend mit akademisch graduiertem personal zu tun, darunter erfüllen nur die wenigsten leute grundlegende standards ihres milieus. ich kann bei diesen leuchten die simpelsten standards an kunstverständnis und wissen um kulturelle zusammenhänge nicht voraussetzen.

solche „schnösel“ habe ich nicht nur in politik und verwaltung, sondern auch in allerhand managements vor der nase. da herrscht eine stichwortgeberei, ein einwerfen von floskeln, aber wenn ich genauer nachfrage, falle ich in’s leere. das hat kulturpolitisch fatale folgen.

so sind wir schon eine weile damit befaßt, adäquate situationen zu entwerfen, die einer entspannten debatte über fragen der kunst und des kulturbetriebes förderlich sind, ohne dabei zu einer billigen karikatur bürgerlicher kultursalons zu werden. das sind hintergründe des weges von „talking communities“

— [talking communities] —

fehler machen

wir haben die freiheit, auch fehler zu machen. „kunst ost“ ist eine art forschungsprojekt. ein „kulturelles labor“. wir brauchen also die möglichkeit herauszufinden, welche optionen etwas taugen und welche wir hinter uns lassen sollten.

ich hab im vorigen eintrag notiert:
>>“provinz war gestern!“ und zwar auf jeden fall da, wo uns die dinge gelingen.<<

und weiterführend:
>>was uns zwischendurch mißlungen ist, macht uns zwar keine freude, hat aber einen bescheidenen nutzen im sinne von „fein, daß wir diese fehler abhaken können. nicht nötig, sie zu wiederholen.“<<

an welchem haken hängt man, wenn man nur mehr im kreis rennt?

ich halte das für zwei ganz wesentliche referenzpunkte im gesamtvorhaben „kunst ost“. als wir losgezogen sind, um in der sache etwas zu klären, auch: zu erreichen, war INNOVATION eines der motive. sowas behauptet man leicht, es löst sich schwer ein. ferner: wo immer öffentlich gelder verwendung finden, um private vorhaben zu verstärken oder überhaupt erst zu ermöglichen, sollten intentionen und vereinbarungen transparent sein.

dies ist eine republik, also eine „res publika“, eine „öffentliche angelegenheit“. dabei hat unsere erfahrung gezeigt, daß transparenz der intentionen und vorhaben keineswegs oberste priorität hat. weder in der lokalpolitik, noch im regionalgeschehen ist das gesichert.

in dem zusammenhang haben wir sehr gegensätzliche erfahrungen gemacht. es gibt leute aus politik und verwaltung, die offen handeln und eine gewisse risikobereitschaft zeigen, jenseits der dummen heuchelei, die so tut, als würden wir alle stets erfolge produzieren.

wir sind aber auch mehrmals gegen eine alte art der „funktionärsherrlichkeit“ geprallt, was meint: alteingesessene kommunale kräfte, denen schon lange nichts diskussionswüdiges mehr eingefallen ist, erleben heute einen realen funktions- und bedeutungsverlust. dafür revanchieren sie sich mit aggressiven schritten bis an den rand von rufschädigung und geschäftsstörung.

ich habe keinen zweifel, daß die momentan anstehenden problemlagen und veränderungsschübe so massiv wirken, daß gelegentlich herrschende funktionärs-inkompetenz in naher zukunft immer offenkundiger werden wird. solche herrschaften werden ihre kräfte dann brauchen, um den eigenen sessel noch halbwegs zu sichern, es wird ihnen nicht genug energie bleiben, neue projekte anzufeinden.

was wählen, wenn es viele möglichkeiten gibt?

es geschieht ohnehin jetzt schon sehr viel hinter den kulissen der region. wir erfahren davon nur wenig, oft werden wir, wie zu sehen war, plötzlich vor vollendete tatsachen gestellt. das zwingt uns kurze reaktionszeiten auf und verlangt manchmal in kürzester zeit, mit einem brauchbaren „pan b“ unterwegs zu sein.

ich denke, diese aktuellen erfahrungen könnten eine passable anregung sein, das denkmodell von der kooperation der „drei sektoren“ weiter zu entwickeln. das meint die idee, staat, markt und zivilgEsellschaft stünden einander nicht als fordernde instanzen gegenüber, die einander pflichten auflisten, sondern sind einem bemühen um begegnung in augenhöhe gewidmet.

wenn das vorrangiges motiv augenhöhe ist, ergeben sich daraus ganz andere verfahrensweisen als jene, die ich bisher vor allem kenne. eine interessante themen- und aufgabenstellung für das kommende jahr …

einige takte status quo

es ist so greifbar: das jahr endet nun. ich hatte in den letzten wochen manchmal das gefühl, die mehrjährigen mühen unserer konsequenten aufbauarbeit auf dem kulturfeld könnten unter den aktuellen krisen von gemeinden, land und bund ins leere laufen und was erreicht wurde, sei in gefahr.

so ist es zum glück doch nicht. das verdanke ich vor allem inspirierten leuten, die sich weiterhin auf das einlassen, was wir uns vorgenommen haben. ich denke auch, daß der erhöhte druck im neuen jahr so manche spreu vom weizen trennen wird. denn was auf dem kulturfeld gehampel und stümperei ist, wird wohl kaum noch budgets erreichen.

zurück zu den basics: martin krusche bei den "talking communities" (reden, reden, reden, bis wir einander kannten) foto: "art klinika"

wir sind von nur wenigen aspekten der ganzen entwicklung überrascht worden, letztlich bloß von einigen details. das große ganze der einbrüche war absehbar und stand schon vor wenigstens einem halben jahr zur debatte.

wo die kunst auftritt, sind antwortvielfalt und sogar widersprüchlichkeit die regel. hier äußert sich die „conditio humana“ jenseits von verwertungslogik. (was freilich nicht ausschließt, daß aktuerinnen und akteure dann AUCH den weg auf diesen oder jenen markt finden.)

man könnte sagen: „kunst ost“ hat sich nicht eigentlich der kunst verschrieben, denn die ist sache der jeweils handelnden person und muß nicht „orgnaisiert“ werden. aber wir haben uns den BEDINGUNGEN der kunst gewidmet; und einigen ihrer grundlagen. (wir unterscheiden also zwischen „kunst“ und „kunstbetrieb“.)

aktion und reflexion beinander halten: kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov

das drückt sich auch in der aktuellen besetzung des „kern-teams“ aus, woduch wir ein komplexes konzept zu realisieren suchen. mirjana peitler-selakov ist nicht nur kunsthistorikerin und seit einiger zeit als freie kuratorin tätig, sie ist ursprünglich auch dipl. ing. der elektrotechnik.

etliche umsetzungsfragen sin keinen spielereien gewidmet, sondern professionellen abwicklungen: kulturmanagerin nina strassegger-tipl

nina strassegger-tipl ist kulturmanagerin, die sich zur zeit verstärkt dem thema öffentlichkeitsarbeit widmet, bei uns überdies speziell als fachreferentin der „voluntary arts“ tätig wird. diesen bereich könnte man als die „soziale schwester“ der gegenwartskunst verstehen.

ich bin künstler und repräsentant einer art under net conditions“, die sich in menschlicher gemeinschaft als längerfristiger prozeß entfaltet, ohne dabei – was heutzutage recht populär ist – konventionelle sozialarbeit als künstlerische praxis zu behaupten.

daß wir mit den finanzierungsfragen zum 2011er-jahr weitgehend von vorne beginnen müssen, ist fast schon business as usual. ich möcht annehmen, das läßt sich genauso lösen wie einiges an inhaltlichen fragen, die aus unseren letzten arbeitsjahren abzuleiten sind.

nehmen sie mit uns kontakt auf, wenn ihnen diese art des zuganges zu einem kulturellen engagement auf der höhe der zeit interessant erscheint!

kulturelle defizite

ich hab nun viel zur aktuellen „pisa-studie“ gelesen. gesamt scheint es so zu sein, daß die ergebnisse besorgniserregend sind. eine genauere ansicht dazu habe ich noch nicht, weil die informationslage sehr komplex ist: [link]

zwei ekelhafte effekte fallen momentan auf.
+) erstens: das personal aus der spitzenpolitik hat schon begonnen, sich gegenseitig schuldzuweisungen herzusagen, während alles an bekannten reformvorschlägen an politischen blockaden festhängt.
+) zweitens: in kommentaren und leserbriefen werden auffallend oft „ausländer-kinder“ als angeblich schuldige für die schlechten ergebnisse vorgefüht.

so kenn ich meine leute! bloß nicht erwischen lassen. und falls wer ertappt wird, leugnen, denn es sind sowieso andere schuld.

quelle: „der standard“

diese headline beinhaltet einen wesentlichen aspekt der ganzen geschichte. „die geringe gesellschaftliche bedeutung von kultur und bildung“ hat viele facetten und eine beträchtliche geschichte. die gesamte budgetlage bildet das problem deutlich ab. räsonieren wird uns dabei nicht weiterbringen.

was bleibt zu tun? die „gesellschaftliche bedeutung von kultur und bildung“ ist ja unser metier. ich denke, wir sind gut beraten, uns hier spezielle vorhaben zu überlegen. abseits des landeszentrums, wo kleine gemeinden dominieren, die so unter druck geraten sind, daß der kulturbereich von hinteren positionen auf den prioritätenlisten nun noch weiter abgerutscht ist, sollten wir auf eben diese besonderheiten eingehen können.

unsere konzepte müssen, um ein relevantes kulturelles klima zu halten, momentan überarbeitet werden, damit uns nicht noch mehr an strukturen wegbricht. wir brauchen strategien, um standort- und budgetnachteile zu kompensieren. wir müssen verbliebene mittel wirkungsvoller einsetzen und kooperationen voranbringen.

„Culture’s Contribution to Local and Regional Development“

als ich kürzlich mit peter wolf den status quo diskutiert habe, lag dieses papier auf unserem tisch. das „summary“ einer europaweiten studie zum thema „Culture’s Contribution to Local and Regional Development“ [link] widerspricht den beschämenden ergbenissen einer umfrage des österreichischen gemeindebundes in bezug auf kultur, für welche die überhaupt allerhöchste zustimmung zu kürzungen bestand.

ich hab das im projektlogbuch im eintrag #314 dargestellt: 92% der befragten bürgermeister und 95% der befragten bevölkerung halten kürzungen im kulturbereich für akzeptabel. (die presseaussendung dazu.)

ich denke, wir werden uns selbst darum kümmern müssen, daß sich das ändert.

umbruch

das land steiermark ist aktuell merklich angeschlagen. landtagsabgeordnete ingrid lechner-sonnek sagte mir, es fehlen im budget wenigstens 600 millionen euro, womöglich sogar bis zu 900 millionen.

am allerhärtesten hat es momentan den sozialbereich getroffen. siehe dazu etwa: Sozialhilfeverband streikt: Budget wird offengelassen!

auf kommunaler ebene sehe ich zwar keine panikartigen reaktionen, aber die bürgermeister, mit denen ich in den letzten tagen gesprochen hab, wirken ziemlich ernst. so scheint also auch die situation zu sein.

advent-grüße aus dem rathaus

solche schreiben — dieses haben wir von der stadt gleisdorf erhalten –, düften zur zeit in erhöhter dichte quer durchs land aufkommen. das bedeutet logischerweise, daß wir alle unsere vorhaben überarbeiten müssen. konzeptionelle adaption, größenordnung reduzieren, neue modi und strategien suchen, um die gesteckten ziele dennoch erreichen zu können.

ich hab in unserem „projekt-logbuch“ schon zusammengefaßt, wo wir bei „kunst ost“ gerade stehen: „Die Krise? Ja, ist angekommen. Und? Wurscht! Warum? Erstens …“ [link] wir hören das natürlich auf dem kunstfeld nicht gar so gerne: reduzieren! rationalisieren! effizienz steigern! kooperieren!

aber wie wir es auch drehen und wenden, offene fragen nach verteilungsgerechtigkeit werden sich nicht in wenigen wochen lösen lassen. also müssen wir inzwischen wege finden, wie sich die momentanen einbrüche kompensieren lassen.

da kommt nun das „labor“ von „kunst ost“ verstärkt zum zug. innen: brüten, grübeln, debattier, entwerfen. außen: verhandeln, diskutieren, um konsens ringen.

ja, ich würde diese zeit und kraft jetzt eigentlich auch lieber auf mein künstlerisches werk verwenden, statt an den strukturen zu arbeiten. aber wie sagte kollegin hutter im „joglland“? „es ist halt so!

budget! (haben sie noch eines?)

nein, schreckhaft sollte man zur zeit nicht sein. schockstarre wäre überhaupt fatal. der ganze kultur-betrieb kommt in bewegung; nicht gar so freiwillig. schon gegebene zusagen werden zurückgezogen. ratlosigkeit ist populär wie nie. unruhe läßt uns munter werden.

drei landeskulturreferenten in einem arbeitsjahr, das hat grimmigen charme. jedes mal andere teams, andere zugänge, andere prioritäten. und jetzt auch noch viele bereiche, die an einer pleite entlangschrammen. überraschung? keineswegs!

widerstände, grabenkämpfe, budgetverhandlungen ...

seit momanten pfeifen es nicht nur die spatzen von den dächern, unken die unken, quaken alle kröten: die kröten, die kohle, das gerschtl, die marie, das liebe geld, es wird knapp, knapp, knapp. und siehe da, die prognosen waren zutreffend.

wie auch immer, jetzt geht also das gerenne so richtig los. die gründe dafür habe ich in unserem projekt-logbuch skizziert: [link]

damit ist der ruhige ausklang des arbeitsjahres den bach runter, die „stillste zeit im jahr“ werden wir uns vergolden, übers bett hängen und der nachwelt überlassen. ich lese schon die ersten protestnoten, die verschickt wurden. oh, der neue wird sich krümmen vor kummer. nein, der war vorher wirtschaftslandesrat, der hält das schon aus.

ich sag es offen, ich bin im moment zu müde, um mich aufzuregen. kulturpolitische streitgespräche hätten wir ja führen können. na, erinnern sie mich bloß nicht daran! das amüsiert mich jetzt ja wenigstens, wenn ich rückschau auf das 2010er jahr halte und an die debatten denke, die NICHT stattgefunden haben.

sie erkennen vielleicht schon alleine an dieser etwas konfusen erzählung: es ist ernst. und mir schwebt vor: konzentration! was ist augenblicklich vorrangig? wie verschaffe ich unseren plänen eine aussicht und unseren vorhaben stabilität?

ich werde darüber schlafen. und wenn ich was weiß, erzähle ich es. okay?

warum rede ich von politik?

(über die repolitisierung des kulturgeschehens)

als christian eigner vom „büro für perspektivenmanagement“ in ehrenhausen die ergebnisse der evaluierung schon aktiver LEADER-kulturprojekte vorstellte (siehe dazu: „LEADER kultur: steiermarkweit“!), fiel mir ein punkt besonders auf.

er betonte, daß „produktion und vermittlung“ nahe beinander liegen würden. damit meinte er, daß kunstproduktion und kunstvermittlung auf diese art stattfänden, also: kunstschaffende engagieren sich auch für die vermittlungsarbeit.

christian eigner

das ist hier kein „hauptereignis“, aber ein wichtiger aspekt, wenn man nach intentionen fragt. gerade die kunstschaffenden wären ja der primäre interessenskreis, um zu klären, wie und wodurch die kunst einen angemesseneren stellenwert erlangen könne; vor allem aber: WARUM das so sein soll.

sind dazu brauchbare ideen entwickelt, muß herausgefunden werden, welche arten von kooperationen sich dafür realisieren lassen. kooperationen unter den „drei sektoren“: staat, markt und zivilgesellschaft. (warum kooperation? na, wenigstens als gegenentwurf zur oft beklagten situation der „bittstellerei“.)

die position der AVANTGARDE legt solche wege nicht nahe. eigner erwähnte, daß avantgarde sich abgrenze. sie behauptet und fordert. wenn wir aber über „eigenständige regionalentwicklung“ reden, müssen wir feststellen: behaupten und fordern, das hat uns die politik schon vorgemacht, das haben diverse agenturen eingeführt, das ist eine strategie, mit der wir praktisch als KONSERVATIV auftreten würden.

der „bohemien“ ist ein antiquiertes rollenfach. dagegen: die drei erwähnten sektoren in ein adäquates kooperationsverhalten zu reklamieren, das hieße: RE-POLITISIERUNG. politik im klassischen sinn: als wechselspiel von „polis“ und politiké“ per dialog, verhandeln, seine gründe nennen, wechselseitige veratwortung übernehmen.

peter wolf

ich habe beim LEADER-kulturtreffen in ehrenhausen einige dieser aspekte kurz mit dem in kulturfragen höchst erfahrenen peter wolf erörtert; und gemerkt: da wären jetzt endlich einmal einige FRAGEN zu präzisieren, die dann konsequent bearbeitet werden sollten.

und DAS, so behaupte ich, sind probate mittel, um PARTIZIPATION voranzubringen. jene grundlage von DEMOKRATIE: die weitreichende teilnahme möglichst großer bevölkerungsschichten am öffentlichen, kulturellen und politischen leben eines landes.

wir sind die urenkel der gegenreformation und die enkel der tyrannis. in der sache haben wir also noch viel übungsbedarf. das KULTURfeld legt solche zugänge nahe, weil da ohne partizipation und formen der „folgerichtigkeit“ gar nichts geht …

(siehe zu den aktuellen hintergründen auch den eintrag # 324 in meinem projekt-logbuch!)

in bewegung. der kulturbetrieb.

es spricht sich nur sehr langsam herum, scheint aber nun doch bei etlichen leuten angekommen zu sein: „kunst ost“ arbeitet nicht FÜR kunst- und kulturschaffende, sondern nur MIT ihnen. diese soziokulturelle drehscheibe ist demnach auf KOOPERATION ausgelegt, nicht auf SERVICE.

das ist der teil von „kunst ost“, welcher nach AUSSEN wirkung entfaltet. dem gegenüber gibt es auch das LABOR, quasi die „entwicklungsabteilung“, die ein hauptgrund für das bestehen der plattform ist, die selbst nicht gegenstand von „bühnenaktivitäten“ ist.

ein großer teil der arbeitszeit ist bei "kunst ost" nicht einem publikum, sondern den strukturen und strategien gewidmet.

das entwicklen und erproben von methoden und strategien für die verbesserung der bedingungen von GEGENWARTSKUNST im ländlichen raum; ein thema, von dem kurioser weise so manche orts-chefs gar nichts hören wollen.

unter uns: wie sich das leben in den regionen entwickelt, die neue welle der landflucht längst eingesetzt hat, viele kommunen ihre agenda nicht mehr schaffen, keine arbeitsplätze zusammenbringen, zugleich aber vor neuen gemeinde-zusammenlegungen zurückschrecken, wie also der lauf der dinge einen höchst problematischen stand der dinge hervorbringt, sollte man meinen, die funktionstragenden der regionalpoltik seien mehrheitlich heilfroh über jeden engagierten bürger, jede inspirierte bürgerin, denen etwas einfällt, was dem gedeihen des gemeinwesens voranhilft.

dabei muß es den menschen des landes ja freistehen, welchem teil, welchem aspekt des gemeinwesens sie sich in ihrem persönlichen engagement widmen. nach fast zwei jahren mit einem offiziellen LEADER-projekt, welches der KUNST gewidmet ist, kann ich allerdings nicht feststellen, daß diese haltung in der regionalpolitik dominieren würde. kurios! da bleibt doch zu fragen, welche auffassung von politik heute herrscht, wenn funktionstragende es nicht prinzipiell für naheliegend halten, daß bürgerliches engagement zu unterstützen, zu verstärken wäre. (oder wenigstens: nicht aktiv behindert werden sollte.)

dem steht gegenüber, daß auffallend viele kunst- und kulturschaffende immer noch an der idee festhalten, da ja ihr tun für eine gesellschaft wichtig sei, müsse der staat und müsse die gemeinde und müßten auch … was weiß ich. macht nichts! wer in auffassungen verweilen möchte, die nicht einmal mehr freies sichtfeld auf die höhe der zeit ermöglichen, muß das tun dürfen.

kooperation, nicht nur unter kunst- und kulturschaffenden, sondern auch zwischen den verschiedenen sektoren einer gesellschaft: staat, markt und zivilgesellschaft, vorhaben, die in gemeinsamer abstimmung der interessen aller beteiligten ntwickelt werden, all das scheint noch höchst gewöhnungsbedpürftig zu sein. ich halte es für einen vielversprechenden weg, wenn einem daran liegt, daß man entscheidungstragenden anderer bereiche in augenhöhe begegnen will …

wegmarken

(der hauch einer zwischenbilanz)

das projekt „kunst ost“ hat eine lebhafte projektgeschichte. es gibt eine genau benennbare stunde des beginns. am 6. März 2007 begann um 18:00 in gleisdorf jene lebhafte ereigniskette: [link]

das projekt „kunst ost“ hat sehr verschiedene, kontrastreiche, auch turbulente stadien durchlaufen. es waren mehere modi der kooperation zu erproben. kooperationen ganz unterschiedlicher bereiche: kulturschaffende, geschäftsleute, funktionstragende aus politik und verwaltung in EINEM verbindenden ereignis-strang.

der „durchgehende faden“ war über mehrere jahre sicher in den „plenartreffen“ angelegt, die an stets wechselnden orten in der region: [link]

momentan werten wir das zweite arbeitsjahr eines LEADER-kulturprojektes aus. wir sehen uns vergnügt an, was alles gelungen ist. wir nehmen durch, welche fehler uns schlauer machen sollten und nicht mehr wiederholt werden müssen.

das ist eine art reflexions- und revisionsgeschäft, in dem auch allerhand heftige emotionen den lauf der dinge befeuern. (den ausdruck „emo-bombe“ habe ich VOR diesem projekt noch nicht gekannt.)

schneller als das kulturministerium erlaubt: "sterz"-herausgeber gernot lauffer bei einer "kunst ost"-veranstaltung.

es gibt in solchen vorhaben keine „reparatur-phase“ im trockendock. wir machen den kahn gewissermaßen in laufender fahrt flotter. dabei ließ sich unser grundsätzliches programmkonzept bestätigen. doch die einzelnen stationen werden – unseren erfahrungen folgend – adaptiert.

das jahr 2011 wird gemäß dieser grundstrukltur angelegt sein:
+) auftakt-konferenz („konferenz in permanenz“)
+) april-festival (mehrsparten-ereignis an mehreren orten der region)
+) frauenmonat (themenspezifisches veranstaltungs-ensemble)
+) kunst im herbst (schwerpunkt gegenwartskunst im internationalen kontext)
+) schluß-konferenz („konferenz in permanenz“)

rund um diese fixpunkte 2011 entfalten wir über das ganze jahr zahlreiche kleine einzelschritte. ein erheblicher teil der arbeit von „kunst ost“ findet freilich hinter den kulissen statt, ist nicht für die bühne geeignet. (labor, entwicklung, administration etc.)

auf diversen „bühnen“ zeigen wir aber die ergebnisse … in sachen rückschau siehe auch „wo sind wir denn? wie hab’n wir’s denn?“ [link]