Schlagwort-Archiv: kulturpolitik

und die jugend?

es ist bei „kunst ost“ schon öfter die frage nach unserer altersstruktur aufgetaucht, ergänzt um die frage: „wo sind die jungen?“ die antwort liegt ja im anlaß zu dieser frage: nicht bei uns. „warum auch?“ frage ich gerne. dabei gehe ich von den erfahrungen mit meinem eigenen sohn aus. die youngsters brauchen mich und meine konzepte nicht, um ihre kulturellen bedürfnisse zu bearbeiten und zu leben.

brauchen keine zurufe von außen, sondern finden mit ihren youngsters offenbar permanent mehr themen und anlässe, als bearbeitbar sind: kunsterzieherin marianne ofner und geschichte-lehrer peter gerstmann

natürlich gibt es kunst-affine teenies in der oststeiermark. soweit ich welchen begegnet bin, waren sie an einem gymnasium und in anregender begleitung von engagierten lehrpersonen meiner generation. das interesse jener teenies an kunst und zeitgeschichte brauche ich nicht zu unseren vorhaben zerren, sie haben ihre eigenen pläne.

ringt annähernd pausenlos darum, den menschen allen alters gute gründe zum lesen anzubieten: buchhändlerin helga plautz (hier mit gleisdorfs bürgermeister christoph stark)

manches an jugendlichem kulturbezug zeigt sich auch rund um aktivitäten der buchhändlerin helga plautz. das hat seine eigenen initialmomente, seine eigene dynamik. ich freue mich, solche anteile des regionalen (kultur-) lebens feststellen zu können. aber es gibt – so weit ich sehe – keinen guten grund, auf diese ereignisse und personen zugreifen zu wollen oder sich auf diesen feldern um irgend eine idee von vernetzung zu bemühen.

ich glaube nämlich nicht, daß eine gesellschaft durch und durch „vernetzt“ sein möchte. solche bestrebungen müßte ich als versuch werten, eine komplette gesellschaft durchzurekrutieren und durchzuorganisieren. das hatten wir schon in den 1930er-jahren. es war kein überzeugender weg.

ein zeitgemäßes echo solcher bestrebungen ist meines erachtens die „vercoachisierung“ der gesellschaft. ich schätze kluge beratung keineswegs gering. das legen schon meine persönlichen erfahrungen nahe. manche lebenssituationen werden durch versierte begleitung erträglicherm sind durch ein angemessenes coaching besser zu bewältigen. aber ein sich verselbstständigender markt wirft hier allerhand kuriositäten aus.

am wenigstens gefällt mir jene abteilung, wo mir scheint, daß leute, die selbst in freier wildbahn noch nie reüssiert haben, plötzlich durch beratungseinrichtungen irrlichtern, um da leute für die freie wildbahn fit zu machen. das bedeutet, ich stehe der boomenden lebensberatungs- und coaching-branche skeptisch gegenüber.

verschiedene welten und bezugssysteme, verschiedene codes: manche fotos machen mir klar, daß ich auch schon jünger war. hier bin ich im gespräch mit autor dzevad karahasan (links) und schauspielhaus-intendantin anna badora beim "europatag" in graz (foto: frankl)

zurück zu den youngsters. wie erwähnt, ich sehe keinen grund, jugendlich zu „kunst ost“ zu verschleppen. wir sind eine community mit beachtlich hohem altersdurchschnitt. das zeigen dann auch unsere arbeitsansätze und praxisformen. die sind nicht auf „jugendkultur“ ausgerichtet, wie andrerseits „kunst und kultur“ nicht gedacht sind, beschäftigungsprogramme abzuwerfen, durch die jugendliche, deren verhalten unseren erwartungen widerspricht, gebändigt werden sollen.

kurz: unsere kulturelle basisarbeit und künstlerische praxis, die auf das erproben verschiedener wege kollektiver kreativität ausgelegt sind, haben den zweck, genau das zu sein; das wird vorläufig kaum wesentlich mit bereichen verschiedener jugendkulturen zu verknüpfen sein.

doch es läßt uns an grundlagen und an rahmenbedingungen arbeiten, die AUCH in der frage nach jugendkulturen relevant sind. doch da wird es an den youngsters selbst liegen, berührungspunkte oder gar überlappungen zu suchen. es sollte nicht gar so schwer sein, zugänge offenzuhalten, wir brauch aber davor keinen marktschreier aufzupflanzen.

kunst ost in der praxis #4

es macht mir erhebliche freude, daß einige leute der „kunst ost“-community so genau verstanden haben, was zeichen der zeit sind und wie wir einige der defizite kompensieren können, welche uns durch aktuelle sparmaßnahmen verursacht wurden. dieses „april-festival“ ist ausdruck einer aktiven und einfallsreichen reaktion auf die budgetprobleme des landes und der kommunen.

gleisdorfs kulturreferent alois reisenhofer und kulturmanagerin nina strassegger-tipl (kulturreferent ist ein politisches amt, das von einer verwaltungsaufgabe unterschieden werden muß)

das bedeutet definitiv nicht, hier hätten bürgerinnen und bürger sich aufgerafft, politik und verwaltung aus ihren aufgaben zu entlassen. aber wir haben schon vor einer weile begonnen, neue modi und möglichkeiten der kooperation zu entwerfen, zu verhandelt und zu erproben.

im beitrag #2 zum thema „kunst ost in der praxis“ habe ich skizziert, welche situation der gemeinderat uns zeigt. gleisdorf, das muß betont werden, steht augenblicklich – im vergleich zu anderen gemeinden – noch ungewöhnlich gut da. und weil die fraktionen offensichtlich die situation möglichst stabil halen möchten, wurde in einigen bereichen kräftig auf die bremse gestiegen. das haben auch wir schmerzlich zu spüren bekommen.

winfried kuckenberger leitet das gleisdorfer "büro für kultur & marketing", repräsentiert also die VERWALTUNG, während kulturreferent reisenhofer für die POLITIK steht; das sind zwei verschiedene instanzen

auf der anderen seite ist allerdings ein ansatz gegeben, mit politik und verwaltung der stadt neue kooperationsweisen auszuloten. das nimmt uns leider nicht die bürde der erheblichen kürzung von mitteln, von ressourcen. da geht’s also nicht bloß um cash. in der „kleinen zeitung“ war eben zu lesen: „Denn, so Stark, sehr viele Serviceleistungen würden von der Gemeinde freiwillig erledigt, die eigentlich gar nicht Aufgabe der Gemeinde wären.“ gleisdorfs bürgermeister christoph stark bevorzugt klartext; siehe: „Soll die Gemeinde so viel helfen?“ [quelle]

wie läßt sich die veränderung also handhaben? wie lassen sich die aktuellen defizite kompensieren? ich hab im beitrag #3 das denkmodell von den „drei sektoren“ erwähnt: 1) staat, 2) markt und 3) zivilgesellschaft. ich bemühe mich, kooperations-situationen zwischen leuten aus diesen drei bereichen herbeizuführen: 1) politik &/ verwaltung, 2) wirtschaft und 3) privatpersonen, vereine etc.

gemeinderat karl bauer (links) und bürgermeister christoph stark repräsentieren zwei bereiche der politik der stadt

das „april-festival“ ist gewissermaßen unser „labor“ für diese perspektive. wie und wodurch können wir politik und verwaltung bewegen, in unsere vorhaben zu investieren? was führt dazu, daß wirtschaftstreibende sich auf unsere projekte einlassen? es scheint ansatzweise so zu gehen: relevante themenstellungen, prozeßhafte arbeit, also auch: kontinuität, ein mindestesmaß an selbstorganisation, also auch: selbstverantwortung, all das in einem zusammenwirken von hauptamt und ehrenamt, also von bezahlter und unbezahlter arbeit.

das bedeutet in summe, den stellenwert von kooperationen höher anzusetzen und teilbereiche zu professionalisieren; im sinne von: engagement und abläufe etwas effizienter gestalten, damit die knapperen mittel besser genutzt werden können.

mir ist aufgefallen, daß manche unserer leute keine trennschärfe zwischen künstlerischer praxis und vermittlungsarbeit aufbringen. so habe ich etwa die kuriose vorhaltung gehört, eine themenstellung würde die „künstlerische freiheit“ einchränken. oder ich erlebe, daß eine künstlerin jemandem im projekt für ihre dienstmagd hält und entsprechend fordernd agiert, ohne selbst etwas erkennbares für das „größere ganze“ beizutragen.

diese unschärfen werden sich noch abarbeien lassen. wie angedeutet, es ist zweierlei, a) als kunstschaffende ein werk zu erarbeiten und b) sich für die kunstvermittlung, die publikation von werken zu engagieren, also etwas beizutragen, damit es so ein kulturfestival gegeben kann, eine serie von veranstaltungen, die koordiniert, organisiert und beworben werden müssen.

ich schreibe hier von zweierlei: von momenten kollektiver kreativität und von zukunftsträchtigen kooperationen engagierter leute aus den drei erwähnen sektoren. die individuelle künstlerische position und freiheit bleibt davon ja unbelastet. als freelancer weiß ich gut genug, daß marktlage und kulturpolitischer status quo natürlich großen einfluß auf meine individuelle situation haben, daß meine möglichkeiten als freischaffender künstler davon sehr wesentlich mitbestimmt werden.

aber eine „regionale kulturpolitik“, die über einzelne gemeindegrenzen hinausreichen würde und mit deren funktionstragenden wir unsere bedingungen verhandeln könnten, gibt es noch nicht. vielleicht bietet das „labor april-festival“ einen ansatz dazu …

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— [april-festival] —

kunst ost in der praxis #3

wo kein zweifel besteht, daß sich „die zeiten“ ändern und der lauf der dinge neue bahnen findet, sollte es einleuchten, daß wir als kulturschaffende nicht über jahrzehnte im gleichen modus und mit den gleichen strategien agieren können. klar? klar!

aber was bedeutet das für unsere praxis? wir erinnern uns an den „alten modus“. kunstschaffende erwarten von der wirtschaft sponsorgelder und von der politik subventionen. (nur ein bruchteil von uns kann sein jahreseinkommen auf dem freien markt lukrieren.)

das hat erstens eine starke tendenz zur antiquiertheit und ist zweitens ein urbanes modell. in der „provinz“, in ländlichen regionen, gibt es dafür zwar gelegentlich beispiele, aber es ist keineswegs ein prominenter modus, auf den wir uns je hätten verlassen können.

nina strassegger in der "heiligenschein-ecke" beid er eröffnung des "april-festifals" 2001

urbane konzepte lassen sich in dieser sache nicht auf ländliche regionen übertragen. außerem ist dieses modell der sponsorengelder plus subventionen das echo einer (groß-) bürgerlichen kulturvorstellung, die ihrerseits mindestens von der pop-kultur schon vor jahrzehnten gründlich überrannt worden ist.

es gibt zwar heute noch verschnarchte spaßvögel, die tief in der oststeiermark mit dem begriff „hochkultur“ operieren, das erweist sich aber gar nicht so selten als die markierung einer traurigen provinz-kopie des städtischen kulturbetriebes in längst versunkener fassung; also – wie angedeutet – die kopie eines antiquierten konzeptes.

auf solchen pfaden ist nichts interessantes zu erringen. es reicht da bestenfalls, daß sich ein milieu der „provinz-bürgerlichkeit“ vor ort auf jene arten inszieniert, wie es die dinge gesehen hat, wenn es zur stillung kultureller bedürfnisse ab und zu nach graz oder nach wien, vielleicht sogar nach salzburg und wahrscheinlich nach mörbisch gefahren ist.

kein einwand! mich interessiert dieser teil des geschehens bloß nicht und bei „kunst ost“ könnte solches geschehen keinen referenzpunkt ergeben. wir haben gerade das „april-festival“ 2011 mit einer satten session eröffnet. es ist aktueller ausdruck dessen, woran wir arbeiten; kulturell, künstlerische und kulturpolitisch.

das werte publikum erwies sich als durchaus belastbar, wo doch bei der vernissage eine nennenswerte wegstrecke durch gleisdorf bewältigt werden mußte

die gezeigten werke reichen von ambitionierten bastelarbeiten über stücke, die im bereich kunsthandwerk geltung hätten, zu bereichen der „voluntary arts“, bis hin zu exponaten, die man der gegenwartskunst zurechnen darf.

wir hatten nun über mehrere jahre im engeren kreis debatten, ob das genauer formuliert und formiert werden sollte. nein, die notwendigkeit dazu hat sich nicht herausgestellt. einerseits konzentrieren sich die genres im rahmen der nun eingeführten „location crews“. das heißt, was zusammenpaßt, findet auch meist zusammen, da und dort erzeugt der kontrast des verschiedenen auch besondere reize.

andererseits führt diese verbindung diverser genres in einem gemeinsamen vorhaben, in einer gemeinsamen „erzählung“, durchaus zu wechselseitigen anregungen. in summe dürfen wir damit rechnen, daß die durchmischung sehr verschiedener kreativer leute und ebenso verschiedener publikumskreise einen wichtigen beitrag ergibt, um ein kulturelles klima zu erzeugen, das diese bezeichnung wert ist. bleibt noch ein wesentlicher aspekt in dieser sache zu erwähnen: kontinuität!

zurück zu den ersten absätzen dieses beitrages; „alter“ und „neuer“ modus? statt nun das rollenangebot „energisch fordernder bittsteller“ zu übernehmen, um von der wirtschaft sponsorgelder und von der politik subventionen zu erhoffen, setze ich auf die möglichkeit der KOOPERATION. dabei geht es mir um die kooperation von drei sektoren: 1) staat, 2) markt und 3) zivilgesellschaft.

das aktuelle „april-festival“ bildet diesen arbeitsansatz schon sehr deutlich ab. daraus hat sich schon ein klarer nutzen ergeben. trotz krisenhafter entwicklungen in der steiermark und unserer momentanen position zwischen „low budget“ und „no budget“ erweist sich das heurige programm als umfassend und inhaltlich äußerst relevant.

wie das gegangen ist? wir danken es vor allem den „schlüsselpersonen“ und einigen engagierten leuten aus allen DREI genannten sektoren, die im zusammengreifen dieses gesamtergebnis generiert haben.

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— [april-festival] —

kunst ost in der praxis #2

kulturschaffende sollten wissen, woran sie sind und von welchen rahmenbedingungen ihr tun umgeben ist. dazu gehört auch eine wenigstens kursorische kenntnis der wirtschaftlichen situation einer kommune und der politisch aktuell gesetzten themenschwerpunkte.

weder geld noch guter wille reichen, um in einem gemeinwesen allen grade vorhandenen bedürfnissen entgegenzukommen. die jeweiligen prioritäten innerhalb eines jahres werden folglich von der politik vor ort bestimmt. die politische willensbildung ist naturgemäß nicht in allen aspekten nachvollziehbar. sie ereignet sich ja primär innerhalb der fraktionen.

ein teil der gemeinderats-sitzungen ist öffentlich zugänglich. waren sie schon einmal dort?

es wäre natürlich denkbar, daß auch außerhalb solcher gremien, in bereichen der zivilgesellschaft, politischen willensbildung stattfindet und auf die etablierte politik einwirkt. im kulturbereich hab ich das hier aber noch nicht erlebt. (wenn man von „kunst ost“ absieht, das im kern ein beispiel genau dafür ist.) da dominieren die individuellen partikularinteressen, die von vereinzelten leuten vorgebracht werden; naturgemäß mit wenig politischer wirkungskraft.

in der umsetzung wird politisches wollen meist an transparenz und überblickbarkeit gewinnen, weil ja fachausschüsse beauftragt sind, die themen für den gemeinderat aufzubereiten. dabei kommen im besten fall nicht nur alle fraktionen mit ins spiel, sondern die lokalpolitik wird auf angemessene kommunikation nach außen achten.

damit wir an der basis einer kulturinitiative nicht im trüben fischen müssen, damit der „blindflug“ sich solchen zeiten umfassender konfusion einschränken läßt, habe ich gerne laufend das ohr am puls dieser stadt. ich hatte bisher noch nicht das gefühl, der bürgermeister würde uns wesentliche informationen vorenthalen. es ist feilich ein komplexes kommunikationsverhältnis, momentan auf jeden fall sehr viel komplizierter als in vergangenen jahren. (ich erzähle später, was damit genau gemeint ist.)

bürgermeister christoph stark montierte im sitzungssaal eine unserer "kunst ost"-kultur-steckdosen

eben fand in gleisdorf die erste gemeinderatssitzung des jahres 2011 statt: [link] ein teil dieser zusammenkünfte ist öffentlich zugänglich, kann also von jeder interessierten person besucht werden. eine gelegenheit, die ab und zu genutzt werden sollte. man sieht, mit wem man es politisch zu tun hat, bekommt einen eindruck von arbeitsklima und stimmung im gemeinderat.

die auftakt-sitzung von 2011 war ein gesellig wirkendes arbeitstreffen, in dem gute laune vorherrschte. ich tippe auf zwei wesentliche gründe. einerseits müssen die fachausschüsse gründlich vorgearbeitet haben. falls es da und dort anlaß zu differenzen gab, sind sie offenbar im vorfeld schon bearbeitet worden. andrerseits konnte ein ausgeglichener abschluß des 2010er-haushaltes vorgelegt werden: [link]

das bedeutet, zum jahresende deckte sich die reale situation weitgehend mit dem voranschlag. was in manchen ecken an mehraufweand angefallen war, konnte durch verschiedene einsparungen und vergünstigungen kompensiert werden, ganz wesentlich aber durch ein erhöhtes abgaben-aufkommen seitens der gleisdorfer wirtschaft.

das alles bedeutet nicht, jemand hätte nun der kultur einen roten teppich ausgerollt. aber es ist schon ein bescheidener vorteil, trotz bereits vollzogener kürzungsschritte, die wir erfahren haben, mit kulturellen vorhaben nicht gleich in eine mauer der abwehr zu rennen. schauen wir also, was sich aus der situation machen läßt …

p.s.:
ein exemplar unserer von christian strassegger entworfenen „kultur-steckdosen“ ist nun auch im großen sitzungssaal des gleisdorfer „service-centers“ zu finden.

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kunst ost in der praxis

durch welche verfahrensweisen läßt sich für den kulturbereich in der heutigen situation terrain halten? wir haben gerade erlebt, wie radikal sich der rückzug der öffentlichen hand vollzieht, wenn budgets einbrechen und strukturen wanken.

das aktuelle krisenmanagement war für uns überhaupt nur mit privatem einsatz von arbeitskraft und geld zu bewältigen. ansonsten wäre „kunst ost“ nun den bach hinuntergegangen. für mich schien vorrangig, das heurige „april-festival“ zustande zu bringen. das ist nach innen eine prüfung, was unser konzeptioneller arbeitsansatz taugt.

medienkünstler niki passath ist beim kommenden "april-festival" unser erster gast in der neuen diskussions-reihe "was sagen kunstwerke?"

nach außen soll es ein signal sein, das den verantwortlichen aus politik und verwaltung demonstriert, was das kollektiv zu leisten imstande ist; inhaltlich und in der umsetzung. da bewährt sich nun jener prozeß aus mehreren jahren, in dem wir klären konnten, was alles NICHT geeignet ist, einen modus kollektiver kreativität voranzubringen.

dank dieser praktischen erfahrungen können wir uns heute in hohem maße auf jene schritte konzentrieren, die sehr vielversprechend erscheinen.

wir haben 2006 begonnen, ein setup herauszuarbeiten, welches aktuell stabilität bringt, wo sich in den letzten monaten – mangels verfügbarer budgets – einige mögliche kooperationspartner schlagartig verflüchtigt haben.

es war wichtig, für „kunst ost“ eine neue „basis-crew“ zu formieren, die sich so einer aufgabe gewachsen sieht, und – wie erwähnt – das „april-festival“ 2011 sicherzustellen. eine idee, ein handlungsplan, etwas geld und einige engagierte leute, die auch bereit sind, unbezahlte arbeit einzubringen.

das hat sich als leistungsfähige „grundausstattung“ erwiesen, um den aktuellen umbruch zu bewältigen. von hier aus sollte sich ein status erarbeiten lassen, der einen passablen mix von ehrenamtlicher und hauptamtlicher kulturarbeit ermöglicht.

das packen wir vor dem hintergrund einer mittefristigen entwicklung des inhaltlichen horizonts, dem sich „kunst ost“ widmet, an. das bedeutet, aus dem erst skizzenhaft entworfenen themenbogen „zwischen landwirtschaft und high tech“ haben wir nun konkrete inhaltliche arbeitsansätze, die von sehr verschiedenen personen mitgetragen werden.

sach-promotoren im umfeld von "kunst ost" (von links): tierarzt karl bauer, volksmusikant christian nell und kamillo hörner vom "volksbildungswerk steiermark"

ich habe die ganze situation am denkmodell der „drei sektoren“ orientiert. dabei ist keine hierarchische anordnung vorgesehen. ziel dieser orientierung ist eine kooperation von sachkundigen leuten aus den drei sektoren staat, markt und zivilgesellschaft. also
1) politik und verwaltung,
2) wirtschaft und
3) kulturschaffende als einzelpersonen wie als teil von vereinen.

das aktuelle „april-festival“ bildet diese vorstellung schon sehr konkret ab. die inhaltliche entwicklung haben wir in rund einem dreiviertel jahr kontinuierlicher themenarbeit realisiert: [link]

zur „basis-crew“ (krusche, peitler-selakov & strassegger-tipl) kamen heuer autonome „location-crews“ und (aktuell in erprobung) einige „labor-gruppen“. in dieser situation kommt den verantworlichen „schlüsselpersonen“ eine wesentliche rolle zu: [link]

sie sind nicht nur bindeglieder zwischen der „basis-crew“ und den verschiedenen autonomen formationen eines größeren vorhabens, sie sind auch garanten für eine vielfalt in den zugängen und verfahrensweisen.

das bedeutet, wir nehmen die „praxis des kontrastes“ sehr ernst. und wir sind gestimmt, die vereinbarkeit dieser komtraste zu demonstrieren. das bezieht sich übrigens auch auf die vier genres, die wir integrieren: alltagskultur, kunsthandwerk, voluntary arts und gegenwartskunst [link]

überdies haben wir, was die annäherung zwischen kulturschaffenden und wirtschaftstreibenden angeht, auch einen modus entwickelt, der sich inzwischen als sehr tragfähig erweist … siehe dazu den beitrag im licht zu kontrasten„!

— [april-festival] —
— [übersicht] —

politik macht kultur

… und zwar gelegentlich auf die HARTE TOUR. eigentlich ist es brüskierend. aber wir haben es nun einmal so vor der nase …

inzwischen lache ich schon. es ist irgendwie zu komisch, an welchen barrieren engagierte kulturarbeit, falls sie von der basis her kommt, quer durchs jahr feststecken kann. man erinnere sich, im herbst 2009 waren sogar funktionstragende einer regionalen kommune so kühn, „kunst ost“ abschaffen zu wollen, was ja auf einem feld der eigenständigen regionalentwicklung eine völlig unakzeptable pose ist. das war also im ersten jahr des überhaupt ersten LEADER-kulturprojektes eine eher üble erfahrung.

der politische versuch vom 28.10.2009, "kunst ost" abzuschaffen

bei „regionext“, bei „LEADER“ und bei den „lokalen agenda 21“ gilt das „bottom up-prinzip“. das verlangt eigentlich von den leuten in der politik, PARTIZIPATION und kommunales engagement der bürgerinnen und bürger im zentrum der entwicklungen zu dulden, zu fördern. gar nicht so einfach, wo alte funktionärsherrlichkeit noch gut im saft steht; oder wo kommunalte gremien sich ihrere eigenen rollen nicht mehr so sicher sind.

was das meint? na, unter anderem, daß verwaltungsreformen im lande dringend nötig und unausweichlich geworden sind. das pfeifen schon lange alle spatzen von allen dächern. dazu kommen auch: GEMEINDEZUSAMMENLEGUNGEN. ein „nicht-thema“, das sich den betroffenen in der regionalen politik gerade aufdrängt. denn in wenigen tagen wird eine legion von bürgermeisterinnen und bürgermeistern bei landeshauptmannstellvertreter hermann schützenhöfer antreten, um zu erfahren, WAS nun an zusammenlegungen anstünde.

und wer wird wann mit den bürgerinnen und bürgern darüber zu reden beginnen? ("VP will über Gemeindefusionen reden", kleine zeitung, 19.2.11)

und deshalb, so höre ich, könne man momentan in der frage einer ortsübergreifenden kulturarbeit nicht all zu bestimmt vorgehen, weil das womöglich als eine vorhut für die in den gemeindestuben so verhaßten zusammenlegungen gewertet werde.

eigentlich ein alptraum, daß wir andauernd vor solchen barrieren stehen, die mit unserer gemeinwesen-orientierten arbeit nichts zu tun haben, und irgendwie darüber hinweg kommen müssen, anstatt rückenwind zu erhalten. gerade wenn kommunen und ihre chefs unter druck stehen, in schwierigkeiten sind, ressourcenknappheit bewältigen müssen, sollten doch engagierte bürgerinnen und bürger als entlastende komponente gesehen und unterstützt werden.

na gut, in einigen gemeinden sehen wir ja, daß unser engagement willkommen ist. da werden mit uns neue kooperationsformen erprobt. andere leute aus der kommunalpolitik werden sich dem vielleicht noch anschließen. es geht um sehr konkrete, praktische erfahrungsschritte, die wir ja erst machen müssen, um herauszufinden, wie KOOPERATION der drei sektoren (staat, markt & zivilgesellschaft) geht, wenn wir alle dabei nicht auf hierarchische modelle setzen.

turbulenzen auf flotter fahrt

am donnerstag abend: christa ecker-eckhofen an ihrem letzten „amtstag“ als obfrau von „kunst ost“, bei der eröffnung einer ausstellung eigener arbeiten in der gleisdorfer galerie „einraum“. so rundet sich ein abschnitt turbulenter ereignisse. zur erinnerung: im arbeitsjahr 2010 hatten wir allein drei verschiedene landeskulturreferenten. und auch sonst blieb so mancher stein nicht auf dem anderen.

christa ecker-eckhofen stellt zur zeit im gleisdorfer „einraum“ aus (rechts malerin irmgard hierzer)

am freitag darauf demissionierten ecker-eckhofen und michaela zingerle formell, um sich anderen aufgaben zu widmen. was tut sich sonst so?

die LEADER-kulturprojekte quer durchs land sollten sich ja inzwischen weitgehend konsolidiert haben. aber die umfassende finanzkrise der steiermark mit ihren rüden auswirkungen auf die welt der kommunen machen es für uns natürlich nicht gerade leichter, der kunst stabile positionen zu erarbeiten.

michaela zingerle (links) und christa ecker-eckhofen bei der übergabe der vereinsunterlagen

es scheint sich nun einzulösen, was über einige jahre im „april-festival“ schon absehbar gewesen ist. die aktuelle struktur mit dem „kern-team“, den autonomen „location crews“ und ihren schlüsselpersonen, sowie einer „labor-gruppe“ gewinnt nun an jener balance, die auch für eine zukünftige kooperation sehr unterschiedlicher leute nützlich sein sollte.

bürgermeister werner höfler ist nun unsere ansprechperson für belange der „kleinregion gleisdorf“

wir dürfen also annehmen, daß es auf dieser ebene gelingt, selbst unter erschwerten bedingungen weiterzumachen. inzwischen hat sich die kleinregion gleisdorfschon einmal ansatzweise auf diesen modus eingelassen und uns bürgermeister werner höfler (hofstätten) als zuständige ansprechperson genannt.

das trifft sich vorzüglich mit der absicht des gleisdorfer kulturreferenten alois reisenhofer, einige aktionslinien zu entwickeln, die eine klare REGIOALE dimension haben. so stellen wir vergnügt fest, daß einige türen offen sind und interessen zunehmen, neben den primären agenda – quasi vor der eigenen haustüre – nun auch verstärkt regionale optionen des kulturgeschehens zu überprüfen und einzelne varianten der umsetzung zu erproben.

ich denke, wir haben gute gründe, das behutsam anzugehen. wir müssen ja überhaupt erst einmal herausfinden, wie sich eine situation praktisch bearbeiten läßt, wenn wir aus dem „alten muster“ der verhältnisse aussteigen …

— [april-festival] —

was fördert das land?

ich war voriges jahr aus dem zentrum der „energie-region“ vom obmann informiert worden, daß die „schlossfestspiele stadl“ als LEADER-kulturprojekt eingereicht werden würden. der zuständige ausschuß auf landesebene lehnte das projekt heuer ab. ulla patz, leitende redakteurin der „kleinen zeitung“ in weiz, faßte den status quo unter dem titel „was das land fördert“ zusammen: [link]

das könnte ein anregender anlaß für eine debatte über regionals kulturgeschehen sein. ich hab die angelegenheit in unserem projekt-logbuch kommentiert: [link] und überdies frau patz einige zusammenhänge aus meiner sicht erläutert. (meine mail an ulla patz finden sie hier am ende dieses eintrags.) sie hat diese post nun im blatt aufgegriffen: [link]

heimo steps, derzeit vorsitzender des steirischen förderbeirates, wird bei unserer "konferenz in permanenz" einige grundlagen der kulturpolitik darlegen

ich halte es für erfeulich, daß in der „kleinen“ offenbar platz ist, um einige kulturpolitische fragestellungen in den öffentlichen diskurs zu bringen. entsprechend hoffe ich, daß andere akteurinnen und akteure dieses bereiches sich nun äußern werden.

es wäre von vorteil, wenn so die teilweise sehr kontrastreichen (kulturpolitischen) optionen einmal auf den tisch kämen, um eine grundlage zu schaffen, auf der erste schritte für eine REGIONALE KULTURPOLITIK zu gehen wären, die jeweils eben NICHT an orts- und gemeindegrenzen enden.

kleiner einschub:
ich habe heimo steps, den derzeitigen vorsitzenden des förderbeirates, der das stadl-projekt abgelehnt hat, für eine „konferenz in permanenz“ eingeladen, er hat uns sein kommen zugesagt. da werden wir einige grundlagen der kulturförderung mit ihm erötern können: „talking communities“ [link]

ein querverweis:
im süden der region machen wir gerade positive erfahrungen, wie sich so ein temporäres zusammengreifen anfühlen kann, wo sich plötzlich bürgermeister, gemeinderäte, kulturbeauftragte und sogar unternehmer mit künstlern und kulturschaffenden an einen tisch setzen, um sich über mögliche kooperationen zu verständigen. siehe dazu die übersicht unseres „april-festivals“! [link]

———- [„talking communities„] ———-

Betreff: Was das Land fördert
Von: der krusche
Datum: Thu, 03 Feb 2011 11:59:04 +0100
An: ulla.patz (kleine zeitung)
werte frau patz!

zu ihrem artikel „Was das Land fördert“: das betrifft GESAMT ja eigentlich ZWEI ganz verschiedene fördermöglichkeiten im land steiermark.

a) die herkömmliche landeskulturförderung, zu der man wie gewohnt einreichen kann und
b) die zeitlich limitierte LEADER-kulturschiene, die mit der leader-förderperiode bald endet und die ein ganz eigenes regelwerk hat.

einreichungen müssen für BEIDES aber im kulturauschuß behandelt werden.
obmann chr. stark hatte mich vor der jahreswende informiert, daß die stadl-festspiele als LEADER-projekt eingereicht würden.

da hätte man freilich von hausaus wissen können, daß die chancen extrem gering bis nahe null sind, weil dort die zuständige referentin der kulturabteilung ganz unmißverständlich klar gemacht hat: es geht bei der leader-kulturschiene hauptsächlich um GEGENWARTSKUNST.

darin hat sie auch konsens mit dem zuständigen referenten der abteilung 16. das wäre NACH dem regionalen lenkungsausschuß die folgende instanz. und dieser instanz folgt eben der ausschuß, der das stadl-projekt offenbar abgelehnt hat.

bliebe also die generelle steirische förder-schiene, die ja allen kulturschaffenden zugänglich sein muß. aber hat man halt die landesweite, harte konkurrenz sehr viel größerer einrichtungen, die dieses genre (operette & musical) pflegen.

wir alle kannten die aktuellen leader-präferenzen seit märz 2010 sehr genau … bei jener konferenz waren ja auch die leader-managements vertreten: [link]

damals mußte also dem management klar sein, daß operette eher nicht gehen wird. ab MAI 2010 wußten alle professionals des steirischen kulturgeschehens: zur jahreswende hin wird es einschüchternde budget-einbrüche geben: [link]

diese headline — „die abrissbirne scheingt bereits“ — hat uns allen klar signalisiert: wer jetzt keine zukunftsweisenden konzepte hat bzw. bloßn dinge vorhat, die im kielwasser herkömmlicher vorhaben liegen, wird beim land kaum ein budget abholen können. da waren also z.b. die tagung mit vollath in graz und in weiz: [link]

nun ist es ja keineswegs so, daß all diese entwicklungen besagen: hier gehts NUR gegenwartskunst, vergessen wir den rest. nein!

es gäbe eine reihe von optionen, in der regionalen kulturpolitik verschiedene genres zu KOMBINIEREN und so ein paar ereignislinien zu entwickeln, die quer durch die region reichen, die gemeinsam eine größere KO-finanzierung aus verschiedenen förderschienen ermöglichen würden.

EINE voraussetzung dafür wäre halt, daß diverse orts-honoratioren endlich aufhörten, nur für die eigene gemeinde zu denken und zu handeln und daß sich erfahrene leute an einen größeren tisch setzen.

in der praxis dominiert derweil noch der modus: kriegt der eine was, wird der andere ihn dafür hassen.

das ist natürlich ein sicherer weg, die entwicklung der REGION in den aktuellen krisenlagen zu BREMSEN, statt zu fördern.

viel smarter wäre dagegen wohl, wenn die zuständigen funktionstragenden sich einmal aufraffen könnten, arbeitsedingungen anzubieten, in denen sich PROZESSHAFT erarbeiten ließe:

+) was sind KULTURPOLITISCHE zielsetzungen für die REGION, auf die wir uns einigen könnten?
+) welche rahmenbedingunen und welche mittel wären dafür nötig?
+) wer könnte in der prakischen umsetzung dann welche nötigen kompetenzen abdecken?
+) wie könnte eine wache REGIONALPOLITIK so einen prozeß begleiten, fördern und sichern?
+) damit nämlich die SACHPROMOTOREN mit den MACHTPROMOTOREN der region zusammenfinden und in der praxis LERNERN, wie eine längerfristige kooperation sehr verschiedener charaktere funktionieren könnte.

🙂
martin krusche

strategiefragen

ich mache gerade ein paar staunenswerte erfahrungen. eine strukturelle NEUERUNG für das kommende april-festival ist die location crew“. da mögen kunstschaffende zusammenfinden, die gut mit einander können. die gruppe ist in sich autonom. eine „schlüsselperson“ ist das verbindungsglied zur „basis-crew“ von „kunst ost.

das ist ein wichtiger entwicklungsschritt hin zu mehr selbstorganisation der kunstschaffenden in der region, denn nur so wird sich in kulturellen vorhaben jene stabilität erreichen lassen, über die wir budget- und struktureinbrüche des kulturbetriebes kompensieren können.

ergänzend dazu gibt es auch gelegentlich die formation einer labor-gruppe. das sind kulturschaffende, die gemeinsam längerfristig an bestimmten aufgabenstellungen arbeiten.

auch die klare THEMENSTELLUNG des „april-festivals“ ist — unter anderem — diesem zweck gewidmet. was bedeutet das? die themenstellung ist ein wichtiger inhalt in der frage der KOOPERATION dreier sektoren: staat, markt und zivilgesellschaft.

das bedeutet praktisch, dieses april-festival ist als experiment angelegt, um praktisch zu erproben, ob und wie eine kooperation gelingen kann, in der a) leute aus politik und verwaltung (kommunen), b) unternehmen, betriebe und c) private kulturschaffende bzw. vereine zu einem GEMEINSAMEN VORHABEN finden können, in dem dann auch GEMEINSAM die nötigen mittel zur umsetzung aufgebracht werden. klar? klar!

bei "kunst ost" geht es primär um kollektive kreativität

neuerdings höre ich von der basis kunstschaffender her, das seien eben so meine „theorien“, ich solle es nicht so kompliziert machen, es habe ja auch bisher ohne solche pläne funktioniert und überhaupt, diese themenstellungen, das sei eine einschränkung der freiheit der kunst etc.

das heißt praktisch, einige leute WOLLEN nicht umdenken, sich neu orientieren, sich damit auseinandersetzen, daß sich zeiten und bedingungen gerade radikal geändert haben.

einige leute WOLLEN sich nicht damit befassen, daß der umstand „ich mache kunst“ kein hinreichender grund ist, von öffentlicher hand eine finanzierung zu erwirken. das bedeutet auch, auf dem vertrauten feld eingesessener akteurinnen und akteure ist mit etlichen leuten selbst über jahre eine kritische reflexion des eigenen tuns im zusammenhang mit dem lauf der dinge nicht zu erreichen.

dabei liegt ein simpler schluß nahe, der besagt: „wenn du es besser weißt, mach dein eigenes ding!“ im sinne der „freunde des partikularismus“ würde das beispielsweise bedeuten: „klemm dir eine mappe unter den arm, zieh los und schau, ob dir ein bürgermeister oder ein bankdirektor die kosten für deine personale hinblättert.“

mich beschäftigen dagen strategien, in deren zentrum eine praktische auffassung von „kollektiver kreativität“ steht. in solchen ansätzen werden bestimmte geschichten GEMEINSAM erzählt. und über die RELEVANZ a) der geschichten und b) der konkreten erzählweise, also der UMSETZUNG, sollen auch gute GRÜNDE entstehen, daß sich verschiedene instanzen aufraffen, die finanzierung solcher vorhaben MITZUTRAGEN.

was wir da bei „kunst ost“ erforschen, folgt also der idee, einige KULTURPOLITISCHE innovationen zu erarbeiten, wege dort hin zu entwerfen und zu erproben. das ist ein fixer bestandteil der arbeit von „kunst ost“.

das bedeutet, wir sind hier nicht „dienstleister“ für andere kunst- und kulturschaffende, sondern kooperationspartnerinnen und -partner für konkrete projekte, nein, IN konkreten projekten.

Kunst ist kein Hobby

so hat christian henner-fehr einen aktuellen beitrag in seinem „kulturmanagement blog“ überschrieben: [link] dabei eröffnet er gleich mit einem sehr populären klischee: „Wer sich künstlerisch betätigt, wird von seinem Idealismus angetrieben und macht das nicht wegen des Geldes. Solche Sätze haben Sie wahrscheinlich auch schon des öfteren gehört.“

woher kommen solche ideologischen konstruktionen? ursprünglich ist das ja eine sehr romantische vorstellung aus gesellschaftlichen kreisen, die andere für sich arbeiten ließen. wer sich nicht den ganzen tag abrackern mußte, um ein leben zu haben, durfte freizeit und muße darauf verwenden, sich „edle lebenszwecke“ auszudenken.

heute hat eine im sturm der boulevard-medien geglättete „freizeitgesellschaft“ auf neue art sinnkrisen. vor allem auf sehr viel breiterer basis. da müssen dann zum beispiel romantische vorstellungen was kunst sei als „sinnstiftungsgeschäft“ herhalten.

wir werden heuer im rahmen der „talking communities“ quer durchs jahr ein wenig beleuchten, welche unterschiedlichen positionen in unserer umgebung bestehen und welche begriffsklärunen sich allenfalls als nützlich erweisen.

es wird nicht darum gehen, eine position gegen die andere auszuspielen, sondern besser zu lernen, wie sehr unterschiedliche zugänge neben einander und manchmal mit einander bestehen können, um in summe ein kraftvolles kulturelles klima zu tragen.

[talking communities]