In der Netzkultur-Szene der 1990er Jahre hat nach meiner Erinnerung absolut niemand kommen gesehen, was die Social Media an unserer Gesellschaft bewirken würden.

Vor allem, daß der Boulevard wie ein Tsunami in das Internet hereinschwappt, worauf Menschen ohne besonderem Interesse an Medienfragen sich breit gemacht haben. Das hat uns unter anderem viel Gezänk, Beleidigungen, Grobheiten aller Art eingebrockt.
Ich habe solche Allüren im Bereich meinen Social Media-Präsenzen stets sehr schnell abgestellt, erlaube in meinen Timelines niemandem, die Netiquette zu verletzten. Außerdem „entfreunde“ ich Kontakte, die das ihrerseits zulassen, umgehend. Ich lege keinen Wert auf solche Gesellschaft.
Kunst Ost, als „ein kulturelles Labor“, ist den Möglichkeiten der Gestaltung einer bestimmten kulturellen Situation gewidmet, bei der Internetnutzung als Basis von Netzkultur ein wichtige Rolle spielt. Dabei ist die Facebook-Leiste von Kunst Ost allerdings Feuilleton auf geradezu altmodische Art.
In meiner laufenden redaktionellen Arbeit sammle ich Beiträge aus vielen Genres, die ich für interessant halte. Auch hier erlaube ich niemandem, sich anderen gegenüber abfällig oder grob zu verhalten.
Inzwischen fällt mir auf, daß sich neuerdings Prozesse verdichten, in denen etwa Nutzerinnen und Nutzer von Facebook-Seiten, Menschen mit einer Instagram-Präsenz etc., formell als Medieninhaber eingestuft werden.
Daher unterliegen sie logischerweise dem Medienrecht. Das heißt – polemisch verkürzt: Rufschädigung ist eine ernste Angelegenheit. Wer sich auf dieser Bühne wie die Axt im Walde benimmt, riskiert nennenswerte Strafen durch ordentliche Gerichte.
Wer mit traditionellen Medien vertraut ist, weiß das und kennt so etwas wie redaktionelle Verantwortung. Das gebietet ab und zu, daß man eingreift und Verstöße gegen die Netiquette wie gegen das Medienrecht abstellt.
Ich kenne noch aus Corona-Tagen das dumme Geschrei: „Zensur!“ „Man darf ja nichts mehr sagen!“ „Gesinnungsterror!“ Auch das ist Ausdruck der Ignoranz und mangelhafter Medienkompetenz.
Zensur ist etwas ganz anderes, nämlich das institutionelle Kontrollieren, fallweise Unterbinden von Meinungsäußerungen. Davon kann keine Rede sein, wenn es möglich ist, daß jemand über hunderte Kanäle ungehindert „Zensur!“ brüllt.
Aber Sprache erzeugt (gesellschaftliche) Realität und Gewalt durch Sprache steht als Phänomen außer Streit. Diese Art der Gewalttätigkeit ist durch Prinzipien einer Demokratie nicht gedeckt und das zu sanktionieren hat mit Zensur nichts zu tun.
Bei Kunst Ost vollkommen selbstverständlich eine Frage von ethischem Konzept und Redaktionshoheit. Wer unsere Regeln ignoriert, wird zügig zur Tür geleitet.
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